Donnerstag, 9. April 2020

Zieht Euch warm an



Jetzt habe ich es Schwarz auf Weiß. In diesem Fall Schwarz auf Blau. Dieser Passierschein berechtigt mich auf eine Zeitreise durch Essen zu gehen. Der Zweck ist auch eindeutig definiert.
Amtliches Dokument
 Berichterstattung, Soziale Aufklärung, politische Agitation und sozialistische Umtriebe Der Passierschein A 38 wurde mir auf Antrag ausgestellt vom Kommissar R. J. Ackermann von der Königlich Preußischen Polizei. Quasi ein „Persilschein“ für alles. Zieht Euch künftig warm an.
Der Verwaltungsakt im Polizeipräsidium wurde bildlich dokumentiert

Mein alter Helm oder der besondere Donnerstag


Donnerstag ist für Sabine und mich ein besonderer Tag. Fester Bestandteil unseres Rentnerdaseins. Es ist der Ehrenamtstag bei der Kinderhilfe im Hundertwasserhaus. Sabine ist die Blumenfee und versorgt alle Blumen im Haus. Ich bin im Lager, überprüfe die Kinderspielecke und bin gerne mit den Kindern und Eltern zusammen. Leider fällt dieser Tag zum dritten Mal wegen Corona und der notwendigen Kontaktreduzierung aus. Dort im schönsten Haus von Essen habe ich Moritz (8) aus Mülheim an der Donau kennengelernt. Im Winter 2013.
Beim Flug mit dem Hubschrauber - einer alten "Bell"
Bevor es donnerstags ins Haus geht, wird vorher im „Haus Klein“ die NRZ studiert. Tageszeitung ist Pflichtlektüre. An diesem Wochentag sitz immer auf Seite 3 der Journalist Matthias Maruhn auf einer Bank und erzählt seine grimmepreisverdächtigen Geschichten über Gott und die Welt. Bankgeheimnisse. Heute erwähnt er mich sogar ganz kurz wegen des Todes von Detlef. Man kennt sich. Aus alten Presse-Zeiten.
Matthias Maruhn auf seiner Bank - Foto: Matthais Maruhn/ NRZ

Moritz und Matthias haben einmal meinen alten SEK-Helm der Beschussklasse 3 bekommen. Der eine nur geliehen, der andere für immer. Der langhaarige Matthias, der eher wir ein in die Jahre gekommener Rockstar aussieht, für eine überschaubare Zeit, als er aus Ex-Jugoslawien in den 90er-Jahren über den Krieg für die NRZ berichtete. Stahlhelm und Schutzweste waren dort für die Presse Pflicht.
So lag er jahrlang im Keller
Als es meinem kleinen Freund Moritz immer schlechter ging, habe ich den alten Helm aus dem Keller geholt und hier im Umkreis einen Airbrusher gesucht. Ich fand ihn in Bottrop mit Gerd de Kock -  http://gerddekock.de/ . Ganz schnell zauberte er seine Idee auf den stählernen Kopfschutz. Dazu müsst ihr wissen, dass Moritz immer Polizist werden wollte. Sogar Scharfschütze beim SEK. Der Helm sollte ihn aber jetzt vor seiner Krankheit schützen, die sich immer mehr im Kopf breit machte. Leider tat er das nur für kurze Zeit. Der 8-Jährige starb am 20. November 2014.
Er gehört für immer Moritz
Ja, so ist das mit dem Donnerstag. Heute ist noch ein ganz besonderer - ein grüner. Für die Christen ein wichtiger Tag in der Osterwoche. Jesus traf sich zum letzten Mal mit seinen Jüngern zum Abendmahl, bevor er einen Tag später für die Sünden der Menschen starb.

Mittwoch, 8. April 2020

Grüße aus Essen

Es gibt Motive, da schaut man automatisch hin oder möchte sich abwenden. Als passionierten Fotograf gilt natürlich die erste Alternative. Wie gestern passiert in meinem Stadtteil. 📷 Klick. In Zeiten von Corona könnte auch der Spruch gelten: „Wärste mal lieber mit dem Arsch zuhause geblieben.“
Zum Essener Stadtwappen gibt es hier die Informationen: https://www.essen.de/rathaus/aemter/ordner_41/stadtarchiv/geschichte/Geschichte_Stadtwappen.de.html
Bauarbeiterinnen-Dekolleté




 

Dienstag, 7. April 2020

Abschied von Detlef…


Ich möchte meinem am Montag verstorbene Freund Detlef Feige ein Gesicht geben. Sein früher Tod macht hier im Netz seit heute die Runde. Alle, die ihn kannten, sind sehr traurig, betonen seine Kompetenz und seine Freundlichkeit in all seinen Funktionen sehr. Ob als Pressesprecher der EVAG, der Stadt Essen oder des Justizministeriums NRW. Ich mochte ihn. Eigentlich sehe ich ihn immer freundlich und lächelnd vor mir, auch auf den Fotos, die ich noch von ihm gefunden habe.
Bei einer Filmpremiere Detelfe Feige (links) mit mir
In anderen Mitteilungen habe ich mich ja schon darüber ausgelassen, dass ich es in diesen Corona-Zeiten sehr schade finde, dass Angehörige ihren Liebsten nicht im Kreise der Verwandten, Bekannten, Freunden und Arbeitskollegen verabschieden können. Die Trauerfeiern finden alle nur im engsten Familienkreis statt.
Das Foto von uns hat Armin Thiemer 2015 „geschossen“. So soll Detlef in Erinnerung bleiben. Und weil er und ich lange Jahre bedingt durch unsere Tätigkeit in der Öffentlichkeit standen, wird er bestimmt nichts dagegen haben. R.I.P.

Was wäre wenn...


…es 1918 schon das Internet gegeben hätte. Facebook, Twitter und Co. wären explodiert.Ich habe gestern mit meinem Lieblingsonkel telefoniert, den jüngeren Bruder meiner verstorbenen Mutter. Oswald ist 95 Jahre alt. An anderer Stelle habe ich ihn hier schon erwähnt.

Da erfahre ich beiläufig, dass er vor der Corona-Krise eine Lungenentzündung hatte. Dummerweise ist seine Lebensgefährtin zu diesem Zeitpunkt stationär in der Klinik. Oswald setzt sich ins Taxi und fährt zum Krankenhaus. Dort bleibt er für Wochen. Jetzt ist er wieder zuhause, nachdem er aus einer Reha-Klinik „flüchtete“.  Es wäre dort so deprimierend gewesen, erzählt mir seine Freundin Christel (80), so dass er sich gegen den Willen der Ärzte selbst entlassen hätte. Oswald: „Da wäre ich gestorben.“ Was wäre, wenn er noch länger dort geblieben wäre? Jetzt bleibt er daheim, schaut nach der morgendlichen Zeitungslektüre mindestens dreimal täglich im Fernsehen Nachrichten und nimmt jede Talkshow mit. Christa macht mit Maske und Handschuhen die notwendigen Besorgungen. Und auf meine Frage, wie es ihm ginge, antwortet der 95-Jährige ohne Klagen: „Gut.“

Heute erfahre ich beiläufig hier im Netz, dass ein Kumpel gestorben ist. Mit nur 59 Jahren. Wir hatten ein sehr, sehr gutes berufliches Verhältnis und trafen uns ab und zu heute noch beim "Stammtisch". Detlef starb allerdings nicht an einer Viruserkrankung.

Daran starben 1918 weltweit bis zu 100 Millionen (!) Menschen. Mehr Tote als im 1. Weltkrieg. „Spanische Grippe“ hieß der Killer. Was wäre, wenn? Und schon damals gab es viele Verschwörungstheorien. Unter anderem, die Juden seien schuld. Und in Afrika hieß es, die Weißen seien schuld. Und in Europa hieß es, die Amis seien schuld. Kommt mir doch irgendwie bekannt vor.


Ich habe meinen äußerst klugen Onkel gefragt, ob er von der damaligen „Grippe-Pandemie“ schon einmal etwas gehört habe."Nein", antwortet er kurz und knapp. Seine Eltern hätten nie ein Wort darüber verloren. So viel zu den neuen Medien.

Genug vom Sterben. Ich wünsche allen: „Bleibt gesund.“ Anfangs fand ich diese kurzen Satz blöd. Mittlerweile mag ich ihn.


Sonntag, 5. April 2020

Corona - Hier lauert der Doof!


Das hätte ich nicht gedacht. Sabine und ich haben heute Nachmittag im Viertel eine Runde gedreht. Das sonnige Wetter lud ein. Fußläufig, wie es im Amtsdeutsch heißt. Runter zum Hespertal und durch den Volkswald zurück zum Vogelherd. 4,4 Kilometer. Begegnungsverkehr fast Null. Nur mussten wir über ein Teilstück der Einflugschneise für Motorradfahrer zum Treff „Haus Scheppen“ am Baldeneysee gehen. Trotz der Appelle der Politiker, der Künstler, der Fensehschaffenden, dem Rentnerblogger („Bitte, bleibt mit dem Arsch daheim!“) war auf der Hammerstraße Polackenflachrennen. Für Auswärtige. Das ist Ruhrgebietssprache und nicht ausländerfeindlich. Und schon gar nicht beleidigend. Trotzdem entschuldige ich mich vorsorglich bei unseren polnischen Freunden. Es bedeutet: Es sind viele Menschen unterwegs. Im heutigen Fall meist Motorradfahrer. Der Motorradtreff ist schon seit über eine Woche gesperrt. Das müsste sich eigentlich in Bikerkreisen herumgesprochen haben. Es ist ja trotz Kontaktreduzierung eine Runde mit dem „Moppet“ erlaubt. Aber warum müsst ihr unbedingt so geballt und in Gruppen zu einem gesperrten Motorradtreff fahren? Einfach nur blöd.

Das große Schild oben auf der Hammerstraße „Hier lauert der Tod“ http://ausserdienst.blogspot.com/2020/03/hier-lauert-der-tod.html  wurde kurzfristig geändert. Siehe Foto.







Mit Koks richtig „Kohle“ gemacht


Die Fotos stammen aus einem Bereich, der für die meisten Essener fremd ist. Ich habe ihn kennengelernt.  Allerdings Ende 1983.  Dienstlich. Immer nachts. Weil dann Diebe mit Lkw anrollten und tonnenweise Koks vom ehemalige Zechengelände „Emil-Emscher“ klauten. Und das über viele Jahre. Die Bande war gut organisiert. Dazu gehörten auch Mitarbeiter der Ruhrkohle AG. Alles bis auf Kleinste geplant. Das damalige 8. Kommissariat, zuständig für organisierte Kriminalität, ermittelte.  SEK und MEK unterstützten.
Wo früher Koks gelagert wurde ist heute eine riesige Freifläche
Wie Bergleute gruben wir uns in der unwirklichen Gegend zwischen Autobahn, Rhein-Herne-Kanal und „Köttelbecke“ zur Stadtgrenze Bottrop ein. Man konnte teilweise die Hand vor Augen nicht sehen. Es war bitterkalt. Ein Kollege, der an der Bahnstrecke auf Posten lag, erinnert sich: „Es wurde nur warm, wenn ein Zug mit heißem Koks an mir vorbeifuhr.“ In einer der Nächte konnten wir einen Teil der Bande auf frischer Tat in dem Bereich festnehmen. Die haben ganz schön blöd geguckt, als plötzlich dunkle Gestalten von der Polizei auftauchten. Der Polizeireporter der WAZ, Erhard Bruse, schrieb Tage später am 11. Januar 1984: „Kohlenklau scheffelte Millionen. Halde in Vogelheim über Jahre geplündert – 21 Personen festgenommen.“
Heute ist dort fast nichts mehr los. Ein unwirkliches Gelände mit riesiger Fläche. Ab und zu verirren sich dann wohl noch Menschen in dieses Gebiet. Die vielen Graffitis und leere Pullen zeugen davon. Ich habe mich auch am vergangenen Wochenende dorthin verirrt.