Mittwoch, 29. April 2020

Polizist erschossen


Erschüttert und traurig. Ein Polizeikollege vom SEK (28)ist heute Morgen in Gelsenkirchen erschossen worden. Der Schütze, der durch die geschlossene Tür gefeuert haben soll, ist festgenommen worden. (Quelle: WDR-Nachrichten)


Verschiedene Medien berichten über den Vorfall. Schwerverletzt soll der Beamte, der SEK-Einheit Münster, in eine Klinik gebracht worden sein, wo er verstarb. Der Beamte trug eine Schutzweste. Das Projektil soll jedoch unglücklich in die Armbeuge eingedrungen sein. Die Wohnung des vermeintlichen Schützen in Gelsenkirchen sollte nach Drogen durchsucht, der Mann festgenommen werden. Es habe einen Hinweis auf seine Bewaffnung gegeben, deshalb sei ein SEK hinzugezogen worden. Alle Angaben unter Vorbehalt.

Eine offizielle Pressemeldung der Polizei habe ich noch nicht gefunden (Stand: 29.4.2020, 11.30) 

Um 17.28 Uhr gaben Polizei Gelsenkirchen und Staatsanwaltschaft Essen folgende Pressemitteilung heraus:
https://www.presseportal.de/blaulicht/pm/50667/4584513

upadate 30.4.2020: 
Die Polizei teilt mit: Am heutigen Freitagmittag, 30. April 2020, wurde der gestern auf der Augustin-Wibbelt-Straße in Gelsenkirchen-Buer festgenommene 29-Jährige auf Antrag der Staatsanwaltschaft Essen einem Haftrichter vorgeführt. Der Richter ordnete für den Beschuldigten die Untersuchungshaft wegen Mordes an.

Dienstag, 28. April 2020

Polizei-Trainingszentrum wird in Essen gebaut


In drei Jahren soll es fertig sein, das modernste Trainingszentrum für Polizisten in Europa. Für den Standort wurde eine Freifläche von insgesamt 20.000 Quadratmeter im Westviertel an der Frohnhauser Straße ausgesucht. Gestern informierten der NRW-Innenmister und Polizeipräsident die Öffentlichkeit: https://www.presseportal.de/blaulicht/pm/11562/4582350


Seit Jahren ist das Schießtraining der Essener Polizisten eingeschränkt. Die marode Schießanlage aus den 1970er-Jahren im Bereich der ehemaligen Polizeischule ist schon lange außer Betrieb.
Seit Jahren marode - die Schießanlage in der alten Polizeischule
 

Montag, 27. April 2020

Maske ja, Maske nein - Humbug oder wissenschaftlich begründet


Wie aussagekräftig sind Erkenntnisse und Aussagen der Wissenschaft in den verschiedenen Disziplinen?
Viele Menschen orientieren sich an den vermeintlich gesicherten Erkenntnissen der Forscher zu hundert Prozent. Ein Argument, das in Debatten häufig benutzt wird. Zum Beispiel in der Medizin, wenn es gegen alternative Heilmethoden geht. Da werden Impfgegner und Homöopathen mundtot gemacht oder angefeindet, wie der Arzt Ignaz Semmelweis? Ganz lange her. Er kritisierte heftig die Schulmediziner im 19. Jahrhundert und machte sie und das Pflegepersonal aufgrund mangelnder Hygiene für die Müttersterblichkeit („Kindbettfieber“) bei Geburten verantwortlich. Er wurde belächelt und heftig angefeindet. Nestbeschmutzer. Später wurde er zum „Retter der Mütter“. Seine Hygienevorschriften sind heute noch vorbildlich. Hände waschen!
Prof. Ignaz Semmelweis (1818 -1865)
Ich habe noch als junger Schutzmann gelernt, dass viele Buß- und Verwarnungsgelder sowie Blutproben, die Unfallzahlen senken würden. Meyer, Stiefel, Jacobi hießen die Verkehrswissenschaftler. Wir haben deshalb in den 1970er-Jahren regelrecht Jagd auf Verkehrsteilnehmer gemacht. Der Spruch eines Vorgesetzten: “Wir sind heute wieder blutrünstig, wer drei Blutproben reinbringt, hat Feierabend.“ Dann mussten diese Tätigkeiten nach und nach aufgrund fehlenden Personals immer mehr reduziert werden. Nahmen jetzt die Unfallzahlen zu? Eigentlich nicht. Zugegeben, es gibt noch andere Faktoren, die für eine Abnahme sprechen.
Es ist richtig, dass Wissenschaft nicht ruht. Deshalb heißen die Menschen, die sich dort tummeln, ja auch Forscher. Eine wissenschaftliche Erkenntnis ist also eine Momentaufnahme.
Ab heute müssen die Menschen in Bus und Bahn sowie beim Einkaufen Masken tragen. Schon wieder Anlass zur Diskussion. In Corona-Zeiten streiten sich die Wissenschaftler. Virologen gegen Virologen, Mediziner gegen Mediziner. Und im Internet und Talkshows wird das öffentlich getan. Jeder kann in den sozialen Netzwerken noch seinen Senf dazu geben oder absichtlich Fakenews verbreiten.
Früher blieben die wissenschaftlichen Streitereien meist im geschlossenen Bereich. Ich stelle mir vor, 1850 hätte es schon Internet gegeben. Armer Ignaz Semmelweis. Es wäre ihm noch schlimmer ergangen.
Zwischen die wissenschaftlichen Fronten geraten die Entscheider, also die Politiker. Im Bundesgebiet kommen sie zu unterschiedlichen Urteilen, Regelungen und Verordnungen. Und in Europa und weltweit? Selbst Boris Johnson hat sich nach seiner Coronainfektion mit kurzem Aufenthalt auf der Intensivstation vom Falken zur Taube gewandelt. Vom amerikanischen Präsidenten ganz zu schweigen. In stark religiösen Regionen werden sogar der liebe Gott oder seine Propheten bemüht. Religionswissenschaft?
Es sind schwierige Zeiten, nicht nur für Wissenschaftler, sondern besonders für diejenigen, die für unser Gemeinwohl zuständig sind – die Politiker. Ich bleibe dabei. In Deutschland machen sie einen guten Job.



Sonntag, 26. April 2020

Zeitreise - Polizeirevier Rellinghausen 1955

Das Essener Polizeimuseum an der Norbertstraße der International Police Association (IPA) ist zurzeit geschlossen, wie zurzeit wegen der Corona-Krise alle Museen. Ich nehme Euch auf eine kleine polizeiliche Zeitreise mit. Das Foto stammt aus dem Jahr 1955 und zeigt die Beamten des Polizeireviers Essen-Rellinghausen. Ja, da gab es noch viele Polizisten auf Essens Straßen. In der unteren Reihe mit der silbernen Mützenkordel und dem strengen Blick sitzt der Wachleiter, Polizeikommissar Schürmeier.
Beamte des Polizeireviers Essen-Rellinghausen 1955

Samstag, 25. April 2020

Tag des Baumes


Heute ist der „Tag des Baumes“. Ihn gibt es nicht erst seit dem Baumsterben im Rahmen der Klimaveränderung, sondern bereits seit 68 Jahren (!). Am 25. April 1952 pflanzten der Bundespräsident Theodor Heuss und der Präsident der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, Bundesminister Robert Lehr in der Bundeshauptstadt Bonn im Hofgarten einen Ahorn. Der „Tag des Baumes“ war geboren. Über den Baum gibt es seit Urzeiten Gedichte, Lieder, Geschichten. Bei der früh gestorbenen Alexandra (27) fällt uns sofort ihr Lied ein: „Mein Freund der Baum ist tot, er fiel im frühen Morgenrot.“
"Was vom Baume übrig blieb" - B 224 Gladbecke Straße

An manchen Orten im Stadtgebiet gibt es eine Menge davon. Immerhin war Essen 2017 die Grüne Hauptstadt Europas. Wälder, Kleingärten, Friedhöfe und Parks machen über 50 Prozent der Fläche des Stadtgebietes aus. Allein der Grugapark – einer der größten innerstädtischen Parkanlagen Europas – weist 70 Hektar auf. Die Hauptstraßen sind eher dürftig begrünt. In Bredeney auf der Alfredstraße (B 224) kann man auf der langgestreckten, schmalen Mittelinsel einige kleine Exemplare bestaunen. Je weiter man in den Norden fährt, umso kahler wird es. Schlechtes Beispiel ist die Gladbecker Straße (B 224) stadtauswärts ab dem Berthold-Beitz-Boulevard. Da gibt es einen schmalen Mittelstreifen. Und das Fisselchen Grün, das sich mühsam durch die Klinkersteine nach oben gräbt, wird dann aufwendig von städtischen Auftragsunternehmen weggemäht oder –gesaugt.

Die Anwohnerin Susanne Demmer berichtet laufend von diesen unsinnigen Arbeiten. Ein Beispiel von der Baumbepflanzung hat sie heute erneut mit folgendem Kommentar ins Netzt gestellt: „Der Sekt ist kalt gestellt. Altenessen feiert den internationalen #TagdesBaumes wie jedes Jahr an der B 224. Lets sing: "I'm turnin' my head up and down. I'm turnin', turnin', turnin', turnin', turnin' around and all that I can see is just a killed old city-tree.” Humor ist, wenn man trotzdem lacht.

Mittwoch, 22. April 2020

Corona - Vermummungsgebot


Jetzt doch auch in Nordrhein-Westfalen. Ab Montag  müssen die Menschen in Bussen und Bahnen (ÖPNV) und beim Einkaufen eine Mund-Nasen-Bedeckung tragen oder sogenannte Alltagsmaske tragen. „Bis dahin gilt weiter die dringende Bitte an die Bürgerinnen und Bürger im öffentlichen Personennahverkehr und beim Einkauf im Einzelhandel, Mund und Nase zu bedecken“, heißt es in der Pressemitteilung der Landesregierung. Schals und ähnliche Stoffe tun es auch.
Da habe ich doch gleich die Melodie der „Höhner“ im Kopf: „Da simmer dabei! Dat is prima! Viva Coronia!

Ich entscheide mich für zwei der vorgestellten Modelle. Das mit der New Yorker-Ratte auf dem Kopf (Bildmitte)scheidet farblich aus. Schwarz-Gelb geht gar nicht. Der Bulle auf dem Kopf passt eher zu mir. Im Hintergrund läuft der Song der „Ersten Allgemeinen Verunsicherung“: Ba Ba Banküberfall, Ba Ba Banküberfall. Ba Ba Banküberfall, das Böse ist immer und überall.“






Dienstag, 21. April 2020

Rabih, mein Frisör in Corona-Zeiten


Einige Top-Fußballer lassen sich ihre Frisöre einfliegen, wie damals der extrovertierte Topspieler von Borussia Dortmund Pierre-Emerick Aubameyang. Er düste auch schon mal mit einem Jet nach Paris, um sich die Haare von einem Promi-Frisör richten zu lassen.
Meiner stammt ursprünglich aus Beirut. In der libanesischen Hauptstadt hat er sich vor vielen Jahren auch schon mal um die Haare von Superstars gekümmert. Er hat mir die Beweisfotos gezeigt. Seit rund 15 Jahren arbeitet Rabih jetzt am Porscheplatz in der Essener-Innenstadt. Er steht den ganzen Tag im Shop. Frau und vier Mädchen müssen versorgt werden. Sisha-Bars meidet er. Ihn ärgert es auch, dass sogenannte Familienclans sein Heimatland in Misskredit bringen, obwohl sie gar keine Libanesen sind, aber häufig in den Medien so bezeichnet werden.
Rabih (rechts im Bild), seit vielen Jahren mein Frisör
Ich bin von Anfang an in seiner haarigen Obhut. Zugegeben, meine Haare wurden naturgemäß immer weniger. Immer kürzer durch die Einstellung am Haar- und Bartschneider. Von 4 Millimeter auf 3, jetzt sind wir schon bei 1. Null traue ich mich (noch) nicht.
Alle zwei bis drei Wochen sitze ich für eine halbe Stunde auf seinem Stuhl. Die meiste Zeit beschäftigt sich der 43-Jährige allerdings mit dem unteren Teil meines Gesichts und den Augenbrauen. Manchmal findet er auch verirrte Haare in der Fläche. Die werden dann mit einem Faden entfernt, den er ganz geschickt zwischen Mund und Zauberhänden führt. Arabische Zupftechnik.
Sein Arbeitsplatz ist immer tip top aufgeräumt
Ich bin gerne bei ihm, erfahre eine Menge über seine Familie und sein Heimatland, dass er in Kriegszeiten verlassen musste. Frisörgeschäft gleich Nachrichtenbörse, Tratsch und Klatsch und Yellow Press. So war es immer.
Und seit Wochen ist Rabih zum Nichtstun verurteilt. Jetzt sollen die Kontaktbeschränkungen auch für Frisöre aufgehoben werden. Allerdings unter erhöhten Schutzmaßnahmen. Bin mal gespannt, wie das aussehen wird. Freue mich schon auf den nächsten Besuch.
So klappt der Frisörbesuch nicht

Samstag, 18. April 2020

Abschied von Detlef II


„Was bleibt ist deine Liebe. Sind deine Jahre voller Leben, und das Leuchten in den Augen aller, die von dir erzählen. Und mit jedem Atemzug und mit jedem Schritt, gehst und lebst du immer noch ein bisschen mit mir."(Julia Engelmann)

So heißt es in der Todesanzeige von Detlef Feige (59), der uns vom Foto aus noch einmal zulächelt und zuwinkt, in den heutigen Tageszeitungen. Diesen Spruch zitierte auch Thomas Kutschaty bei der gestrigen Trauerfeier. Der Freund, politische Wegbegleiter und für ein paar Jahre auch Chef als NRW-Justizminister von Detlef hielt eine sehr persönliche Ansprache auf dem Terrasssenfriedhof in Essen-Schönebeck. Er erzählte von der Freundlichkeit nd Heiterkeit, die Detlef immer ausstrahlte, von seinem Geschick als Pressesprecher im Umgang mit den Medien, von seinen Kindern, von seinen privaten Plänen mit seiner zweiten Ehefrau Mecky, die er erst im letzten Jahr heiratete, von dem Umbau des neuen Heims in Essen-Schönebeck, vom Start ins neue Leben. Und vom Ende. Die Krankheit, die all das kaputt machte. Zunächst schien sie besiegt worden zu sein, dann kam sie aber mit voller Härte zurück.

Die Trauergemeinde mit den engsten Familienangehörigen war zunächst überschaubar, die Urne stand und die Kränze lagen vor der Tür zur Trauerhalle in der Frühlingssonne. Mehr als 15 Angehörige dürfen es ja in Corona-Zeiten nicht sein. Aber dann kamen nach und nach immer mehr Freunde auf den Friedhof, die Detlefs letzten Gang begleiten wollten. Verstreut standen sie auf dem Vorplatz vor der Halle, danach folgten sie mit großem Abstand zum Grab. Dieses liegt im Schatten eines großen Baumes. So wurde es dann noch eine würdevolle Trauerfeier für einen liebenswerten Mann.

Auf die Tube drücken


Die kleine Episode fiel mir gerade beim Kochen ein. „Niemand kann die Tube so gut ausdrücken wie Oma Käthe“, sagten meine Kinder häufig. Meine Mutter, die eigentlich Katharina hieß, konnte das wirklich. Das ist mir noch als kleiner Junge in guter Erinnerung. Immer dann, wenn es „Oma-Käthe-Nudeln“ gab. Der Begriff wurde später von Axel und Nina geprägt. Es war aber auch vom kleinen Uwe das Lieblingsgericht.
Da hat sich nicht viel in den Generationen geändert. Das Foto zeigt meine Mutter, wie ich sie noch als Kind in Erinnerung habe. Mit Kittel und Nähnadel beim Strümpfestopfen. Alles wurde von uns vier Kindern irgendwie repariert. Der Kleidung der älteren Brüder musste ich als jüngster sowie auftragen. Und wenn mal ein Loch in der Hose war, wurde einfach ein Flicken darauf genäht. Meine Mutter schmiss auch keine Lebensmittel weg. Sie hatte ja als Kriegsgeneration noch hautnah das KLarkommen in einer Mangelgesellschaft erlebt. Da spielte übrigens das Hamstern von Klopapier keine Rolle. Aber auf die Tube drücken. Das konnte meine Mutter wirklich.


Donnerstag, 16. April 2020

Inselbilder


Heute haben wir mal einen Schritt über die Stadtteilgrenze gemacht. Nach „Fischlaken Stadt“, also Essen-Werden. Einer der schönsten Fleckchen an der Ruhr ist 8 Hektar groß mit altem Baumbestand. Die Brehminsel mit ihrer nagelneuen Brücke. Unter der es aber nicht so schön aussieht. Oben hui, unten pfui.
Ganz früher war dieser Ort eine Viehweide, heute Erholungsort für viele Menschen. In Zeiten der Corona-Krise überschaubar, selbst an diesem sonnigenFrühlingstag. Die im letzten Jahr durch den Bund der Steuerzahler kritisierten zwei Aussichtplattformen sind gut besucht. Die Menschen halten Abstand, der schöne Spielplatz ist abgeflattert. Kleine Kinder radeln auf dem gepflasterten Rundweg im Kreis. Vier Mitarbeiter der Zentralen Ausländerbehörde der Bezirksregierung, die im Moment zur Unterstützung für die Kommunen herangezogen wurden, überprüften die Einhaltung der Regelungen zur Kontaktreduzierung. Es gab eine Beanstandung („verbotenes Picknick“), die mit einer freundlichen mündlichen Ermahnung erledigt war.

Eine der umstrittenen Plattformen

Der Fischlaker Künstler Roger Löcherbach erschuf den "Aakesbaas"

Blick zur evangelischen Kirche

Corona-Einsatz - freundliche Kräfte der Bezirksregierung

Die neue Brücke zur Brehm
 

Mittwoch, 15. April 2020

Vor 75 Jahren Bergen-Belsen - Jüdischer Friedhof in Essen-Werden

Heute vor genau 75 Jahren befreiten die Briten die Insassen des Vernichtungslagers Bergen-Belsen. 50.000 überlebten ihre Inhaftierung nicht, 14.000 starben danach an den Folgen. Es waren Menschen jüdischen Glaubens, Homosexuelle, Sinti, Roma, politisch Andersdenkende. Alle, die den Nazis nicht in ihre verbrecherische Ideologie passten. Das bekannteste Opfer ist Anne Frank.
Heute waren wir auf dem jüdischen Friedhof in Essen-Werden. Viele der dort Verstorbenen haben die schlimme Nazizeit mit Deportation und Ermordung nicht erlebt, denke ich, wenn ich die wenig verbliebenen Inschriften der Grabsteine lese. Der Friedhof wurde schon im 19. Jahrhundert angelegt.
Ganz in der Nähe des Friedhofs, der mitten im Wald liegt, steht ein großes weißes Gebäude. Es ist das ehemalige Alten- und Erholungsheim der Essener jüdischen Glaubens. 1938 haben es die Nazis beschlagnahmt. Viele der Insassen wurden abgeholt und später ermordet. Daran erinnert vor dem Haus eine Gedenktafel.
Diese dunkle Seite der deutschen Geschichte gehört zu uns. Für immer.










Beute gemacht


In alter Gewohnheit drehe ich, wenn das Wetter es zulässt, eine motorisierte Zweiradrunde durchs Viertel. Quasi auf Streife – wie in alten Berufszeiten. Früher mit dem Motorrad, heute als älterer Herr mit der Vespa. Es ist sonnig, ein bisschen kühl - gestern Abend. Sabine ruft hinterher: “Wenn Du Lust hast, kannste Du ja mal kurz nach LIDL. Uns fehlen ein paar Kleinigkeiten. Muss aber nicht sein.“
Es ist schon nach 20.00 Uhr, als ich zum Ende meiner „Streife“ den Discounter betrete. Recht leer um diese Zeit. Sind wohl nur noch die Corona-Angshasen unterwegs, so mein Gedanke.
Gut gesicherte Ladung
Die Wege durch den Laden sind seit Jahren bekannt. Ich könnte blind einkaufen. Linke Seite: Obst, Gemüse. Aufgepasst nicht zu viel, trage ja nur meinen knallgelben GdP-Sicherheitsrucksack. Weiter geht’s. Rechte Seite: Brot, Brötchen, Gebäck. Brauchen wir nicht mehr. Sabine backt seit Monaten das beste Brot. Weiter: Ketchup, Sojasauce, Vegi-Sachen, usw. Ah, ein Sommerpullover ist reduziert. Der passt noch in den Sack. Jetzt wird es spannend. Der letzte Gang. Also, der im Geschäft vor den Kassen. Ich sehe eine Palette voller Klopapier mit XXL-Packungen und welche für den Normalkonsumenten. Ich ziehe meine Motorradhaube bis über die Nase, schaue nach rechts und links und greife zu. Irgendwie komme ich mir wie ein Großwildjäger vor. Hoffentlich sieht mich keiner. Will ja nicht als Hamster verschrien werden.
Gut getarnt - auf dem Roller und bei LIDL
Jetzt aber schnell raus. Die Kasse ist leer. Der Einkauf ist mit Karte bezahlt, die paar Sachen ruckzuck im Rucksack verpackt. Und das Klopapier? Passt gut auf den Koffer des Gepäckträgers der Vespa. Und da ein Mann immer ein Gummi dabei haben sollte, ist die Befestigung kein Problem. Und jetzt geht’s los. Es geht heim. Ich fahre in meine Straße. Sie lässt nur Einbahnverkehr im Kreis zu. Ich drehe voller Stolz eine Runde nach der anderen. Der Applaus bleibt aus. Enttäuschend. Wahrscheinlich sitzen alle vorm Fernseher oder sind schon im Bett. Vielleicht ist mir eine Peinlichkeit erspart geblieben. Aber als ich meiner Frau die Beute „20 Rollen Hakle“, die ich triumphierend über dem Kopf halte, präsentiere, bin ich für ein paar Minuten der Held.  Heute Abend drehe wieder eine Runde.

Dienstag, 14. April 2020

Nur ein Foto

Seminur - 2015 - Ein Blick in eine ungewisse Zukunft für das kranke Mädchen

„Was passiert eigentlich mit Deinen Fotos?“, fragte mich mal meine Tochter Nina. Meine Antwort: “Einige stelle ich ins Netz, die meisten schlummern im Computer.“ Eigentlich schade. Da ist ja auch das Problem mit der Datenschutzgrundverordnung. Und der Bildüberflutung. 8 Milliarden Fotos sollen es sein, die täglich durch die Welt geschossen werden. Jeder hat seine Kamera dabei. Ein Foto im Display eines Smartphones ist eigentlich eine Schande. Das Display ist viel zu klein. Ein Foto, so habe einmal gelesen, ist gut, wenn der Betrachter zwei (!) Sekunden darauf schaut.
Ich liebe Fotoausstellung, wie letztens in Düsseldorf von Peter Lindberg oder die von meinem absoluten Lieblingsfotografen James Nachtwey. Schaut euch mal den prämierten Film „WAR PHOTOGRAPHER“ an. https://www.youtube.com/watch?v=doV8xokcTuo
Ich fotografiere gerne Menschen. „I shoot people“, so hieß ein Projekt, dass ich zufällig in einer Galerie in New York entdeckte. Da muss man als Fotograf nämlich mit dem Menschen kommunizieren. Nicht einfach knipsen und fertig.
Im Ronald McDonald Haus, dem Zuhause aus Zeit für Eltern schwer kranker Kinder, habe ich in knapp 15 Jahren unzählige Kinder fotografiert. Die Fotografie war eine Brücke zu
den Kleinen und auch zu den Eltern, wenn sie anfangs noch ein bisschen schüchtern und zurückhaltend waren. Die Mädchen nahmen ihre Kopftücher ab und zeigten mir stolz ihre kahlen Köpfe, wie Alison, Hannah und Sara. Etliche Bilder schlummern digital auf den Festplatten. Einige habe ich in eine geschlossene Gruppe für die Eltern gepostet.
Der emotionale und schwierigste Moment meines Hobbies war vor dem kleinen weißen Sarg, in dem ein kleiner Junge lag. Die meisten wissen schon, wen ich meine, weil ich ihn hier schon oft erwähnt habe. Nach einem gewissen Abstand sagte mir seine Mutter: „Das Foto gibt mir Kraft und Trost, weil ich sehe, wie friedlich er da liegt, als wenn er schläft. Die Krankheit war einfach weg, aus seinem Gesicht verschwunden.“  
Das jetzt abgebildete Foto zeigt ein kleines Mädchen. Seminur heißt sie. Es ist schon fünf Jahre her, als ich sie fotografierte. Man sieht ihre frische Narbe am Kopf. Sie hält eine Kiste vors Gesicht und schaut hinein. „NÄHE HILFT HEILEN“, steht darauf. Das ist das Motto und die Philosophie der 22 Häuser der McDonald’s Kinderhilfe. Ich weiß leider nicht, wie es Seminur jetzt geht. Ich hoffe gut.

Montag, 13. April 2020

Streifzug...


…durch unseren Stadtteil am Ostermontag. Zum Glück ist hier in Essen-Fischlaken alles doch recht weitläufig, so dass in Corona-Zeiten die Begegnungen sehr überschaubar sind. Gelandet sind wir auf dem Werdener Friedhof. Aber davon später mehr, denn in den vergangenen Tagen sind Sabine und ich schon fast zu Friedhofstestern geworden. 










Samstag, 11. April 2020

Kriminaloberrat und Theologe - ein Zwiegespräch

Es ist die Osterwoche 2020. Zurzeit ist das gesellschaftliche Leben in Deutschland wegen der Corona-Pandemie eingeschränkt. Ich sehe mir die Passionsandacht aus der Essener Auferstehungskirche im Internet an? Ganz zufällig eigentlich. Die knapp 10 Minuten tun mir gut, zumal ich an diesem Tag erfahren habe, dass ein Freund gestorben ist. Auf der Kanzel steht ein Mann in seiner Berufskleidung. Er trägt einen schwarzen Talar und eine weiße Halsbinde. „Beffchen“ heißt dieses Stück am Hals. Ein Pfarrer hält die Predigt, glaubt der unbedarfte Zuschauer. Ich zunächst auch. Aber bei genauem Hinschauen erkenne ich ihn. Der Mann auf der Kanzel ist mein Polizeikollege und Mitglied der International Police Association (IPA) Colin B. Nierenz. Wie kommt ein Polizist an diesen Ort? Darüber habe ich mit ihm gesprochen. Der 43-Jährige ist mit der künstlerischen Leiterin der Essener Philharmonie Babette Nierenz verheiratet. Das Ehepaar hat drei Kinder.

Colin, zwei interessante Tätigkeiten führst Du aus. Du bist im Hauptberuf Polizeibeamter in einer Führungsfunktion und im Ehrenamt evangelischer Geistlicher. Wie geht das zusammen?
Grundsätzlich ist es wichtig, die beiden Ämter zu trennen. Denn im Polizeidienst habe ich mich religiös neutral zu verhalten und als Seelsorger stehen andere Dinge im Mittelpunkt, als im Polizeidienst. Doch beide Ämter beeinflussen sich aus meiner Sicht gegenseitig positiv. Als Polizist habe ich gelernt, mit Krisen umzugehen. Dieses Wissen kommt mir als Seelsorger zu Gute, wenn ich mit Menschen in Lebenskrisen spreche. Umgekehrt ist es in so manchem Gespräch mit Mitarbeitern  sehr von Vorteil, wenn man mal das Ohr des Seelsorgers einschaltet und Probleme aus dieser Sicht betrachtet.

Erzähl uns ein bisschen über dich. Warum bist Du Polizist geworden?
Ich habe 1993 mit 17 Jahren bei der Polizei angefangen, weil ich gerne einen für die Gesellschaft wichtigen Beruf ergreifen wollte. Mir war und ist wichtig dazu beizutragen, dass die gesetzlichen Grundlagen in unserem Land eingehalten werden, damit die größtmögliche Freiheit jedes Menschen möglich ist und damit wir in Frieden und Sicherheit leben können.

Wie ist die Reaktion Deiner Polizeikolleginnen und -kollegen, wenn sie von deinem ehrenamtlichen Engagement erfahren?
Manche sind zurückhalten, aber auch viele interessiert. Ich vermeide im Dienst grundsätzlich jede missionarische Tätigkeit. Wenn jemand mich fragt, spreche ich gerne mit ihnen über Religion und  Glauben. Aus solchen Gesprächen entstehen manchmal auch konkrete Folgen und theologische Aufgaben. Das freut mich besonders. So habe ich schon einige Kolleginnen und Kollegen getraut oder ihre Kinder getauft, zweimal eine Kollegin und  einen Kollegen bei ihrem letzten Weg begleitet und sie beerdigt. Das war für mich eine besondere emotionale Herausforderung.

Wie wird man Prädikant und was machst Du in dieser Funktion?
Die Gemeindeleitung (Presbyterium) kann Gemeindemitglieder, die sie für geeignet hält, zur Ausbildung entsenden. Die Ausbildung dauert zwei Jahre und wird von der Landeskirche durchgeführt. Anschließend gibt es eine Abschlussprüfung. Nach der Prüfung wird man dann in seiner Gemeinde in einem Gottesdienst ordiniert und damit in die Dienstgemeinschaft der Geistlichen aufgenommen. Ich halte jeden Monat den Kindergottesdienst und einen Hauptgottesdienst. Daneben führe ich Seelsorgegespräche und führe Taufen, Trauungen und Beerdigungen durch.
Mit Polizeipräsident Frank Richter (rechts)


Was hat dich dazu gebracht, etwas für das Seelenheil der Menschen zu tun? Gab es einen Anlass?
Ich habe im Gottesdienst vorher öfter die Lesungen gehalten. Dabei habe ich immer den Impuls gespürt, dass ich mehr machen sollte. Mein Pfarrer, der auch ein guter Freund von mir ist, hat das auch gespürt und mich gefragt, ob ich nicht Prädikant werden möchte.

Wie reagieren die Menschen, wenn sie erfahren, dass Du gar kein „richtiger“ Pfarrer bist und dann noch, was Du eigentlich beruflich machst?
Die meisten sind sehr aufgeschlossen und freuen sich, dass auch jemand da ist, der noch einen anderen Beruf hat und seine Erfahrungen einbringt.

Der Polizist und Theologe kommt in Bereiche, die für andere verschlossen bleiben. Zumindest kommt er nicht so nah dran wie wir. Ausgenommen natürlich im familiären Kreis, wenn jemand stirbt. Wie ist dein Verhältnis zum Sterben und Tod?
Mir wird bei jedem Sterben bewusst, wie groß der Schmerz der Angehörigen ist und wie wichtig es ist, für die Menschen in dieser Situation da zu sein. Für uns Christen ist der Tod nicht das Ende, sondern der Beginn des ewigen Lebens. Damit können wir den Angehörigen Zuversicht geben. Die Beerdigung ist dann nicht nur ein Bericht über das Leben des Verstorbenen und dann Klappe zu und Ende. Die Beerdigung ist aus christlicher Sicht auch immer ein gemeinsamer Blick in die Zukunft und darauf, wie es weitergehen kann.  

Gibt es neben denen Haupttätigkeiten noch andere Leidenschaften oder Hobbies?
Meine Frau Babette und ich haben drei Kinder, mit denen wir uns viel beschäftigen. Darüber hinaus laufe ich sehr gerne und bereite mich gerade wieder auf einen Marathon vor. Ein gemeinsames Hobby unserer gesamten Familie ist Musik. Wir singen gerne zusammen und wenn es die Zeit erlaubt, treten meine Frau Babette am Klavier und ich als Udo Jürgens-Interpret auf.

Wir durchschreiten zurzeit eine schwierige Zeit. Ich meine natürlich die Corona-Krise. Und wir befinden uns in der Osterwoche, steuern auf das Fest zu? Für Christen ein ganz besonderes. Was möchtest Du den Menschen aus theologischer, vielleicht auch aus persönlicher Sicht mitteilen? Hast Du einen Rat?
Wir sollten aufmerksam und besonnen bleiben. Aus christlicher Sicht möchte ich den Menschen den österlichen Ruf Jesu mitgeben: „Fürchtet Euch nicht!“. Jesus hat den Tod überwunden. Er steht uns auch in der Coronakrise bei. Jeder ist eingeladen, Jesu Kraft für sein Leben zu suchen. „Wer da sucht, der findet; und wer da anklopft, dem wird aufgetan.“ (Matthäus 7,8)

Freitag, 10. April 2020

Corona – New York – Behörden bereiten Massengräber vor


Über diese Toteninsel habe ich im letzten Jahr im Blog geschrieben. „Hart Island“ liegt ganz weit draußen am Rande der Millionenmetropole.
In Blickweite von City Island liegt die Insel der Toten
Die Insel gehört noch zum Stadtteil Bronx. Auf dem „Potter’s Field“, so die Bezeichnung für Armengräber, werden die mittellosen und unbekannten Menschen verbuddelt – rund  1 Millionen.
Heute lese ich in den Nachrichten, dass dort schon Massengräber für die vielen Corona-Toten vorbereitet werden. Über 5000 Einwohner seien schon in New York gestorben, berichten die Medien. Die Bestatter wissen nicht wohin mit den Leichen. Die Kühlhäuser sind voll. Kühllaster werden zusätzlich geordert.
Es ist so verdammt traurig, weil ich diese Stadt so mag.
Tom Waits hat das „Potter’s Field“ besungen https://www.youtube.com/watch?v=564l2-5z6rQ