Donnerstag, 19. September 2019

Lisa und "Candy Man"


Meine Kamera ist immer dabei. Ein Nachbar sagte mir mal: „ Ich kenne Sie nur mit Hut, Mütze und Fotoapparat.“ Wir gehen durch unseren Stadtteil. Und dann warte ich, was so geschieht und wen wir so treffen. Heute sind es Lisa mit ihrer Mama und „Candy Man“. Und was haben das Mädchen und das deutsche Reitpony gemeinsam? Sie sind beide 11 Jahre alt, reiten zusammen durch die Fischlaker Felder. 

Es ist in diesem Jahr an dem schönen Spätsommerabend ihr erster Ausritt. Im letzten Jahr stürzte das deutsche Reitpony und zog sich schwere Verletzungen zu. Aber mit Geduld und tierärztlicher Hilfe ist „Candy Man“ im wahrsten Sinne des Wortes wieder auf die Beine gekommen. Lisa hat das Pony 2018 zum Valentinstag bekommen. Acht Vorbesitzer hatte das Pferd schon und wurde als schwierig bezeichnet. Das ist Lisa egal. Und das Mädchen ist sicher, dass sie für immer zusammenbleiben und ein gutes Gespann werden.
Und was fiel mir sofort bei dem Namen des Pferdes ein? In meinem Alter ist es der Song von Sammy Davis junior. „Candy Man“ war 1972 die Nummer 1 in den USA.
https://www.youtube.com/watch?v=v7PhNZs33VE

Mittwoch, 18. September 2019

Drecksecke - Fußgängerbrücke Viehofer Platz




Vorab. In Essen gibt es viele schöne Gegenden. Ich wohne zum Beispiel in einer. Im Essener Süden im Stadtteil Fischlaken. Gerne bin ich allerdings auch in der Essener City. Dort bin ich als junger Schutzmann auf Streife gefahren. Gegangen wurde auch. Die legendäre „Gerlingwache“ - amtliche Bezeichnung Schutzbereich I - war mein erster Arbeitsplatz von 1971 bis 1978.
Im Februar 2006 wurde der Standort aufgegeben. Die Polizei zog zum III. Hagen ins Herz der Essener City in das Gebäude einer ehemaligen Bank um. Zurück zur „Gerlingwache“. Dort gehe ich immer noch gerne vorbei und dann über die Fußgängerbrücke am Viehofer Platz in die nördliche Innenstadt.
Der Übergang mag zu Beginn noch ansehnlich ausgesehen haben. Mittlerweile gehört die Brücke zu den Essener Drecksecken. Die gläserne futuristische Bedachung über dem Mittelteil ist wohl jahrelang nicht gesäubert worden. Blöde Graffitisprüche zieren die Pfeiler. Kippen, Tüten, Abfall auf dem Boden. Ich frage mich immer, wer eigentlich für die Sauberkeit zuständig ist. Ganz in Sichtweise ist das  „Welcome Hotel“, in dem 2006 die englische Fußballnationalmannschaft während des Sommermärchens abgestiegen auf Zeit wohnte. Also, willkommen in Essen fühlt sich der Reisende beim Anblick nicht. Das ist keine gute Visitenkarte für unsere Stadt.
Die "Gerlingwache" befand sich an dieser Stelle

Montag, 16. September 2019

Der Designer der blauen Polizeiuniform ist tot


Luigi Colani ist tot. Der Designer, der Autos, Rennwagen, Möbel, Kleidung und anderes entwarf, starb gestern im Alter von 91 Jahren. Man vermutet hinter den Namen eher einen Italiener. Allerdings war sein Vater Schweizer, seine Mutter Polin. Und er ein waschechter Berliner.


Aber warum widme ich ihm diesen Beitrag. Ja, weil er 2003 für die Hamburger Polizei eine Polizeiuniform entwarf. Der damalige Innensenator Ronald Schill hatte Colani damit beauftragt. Richter „Gnadenlos“, wie der Innensenator auch genannt wurde, fand die Polizeiuniformen seiner Untergebenen total bescheuert. Ich fand die von Heinz Oestergaard (1916-2003) gestaltete Uniform, die ich fast 30 Jahre tragen musste, auch misslungen, gelinde gesagt. Beige Hose, dunkelgrüne Jacke, schwarze Schuhe. Luigi Colani sprach von „fäkalienfarbig“. Und mittlerweile trägt ganz Polizeideutschland Blau,
die Bayern waren die letzten bei der farblichen Umgestaltung der Dienstkleidung. So bleibt der Designer für die Polizei in bester Erinnerung.

Ach so, in unserem Schrank steht noch die Teekanne aus dem Service Zen von Luigi Colani. Sieht klasse aus, haben wir allerdings nie benutzt.

Ruhe in Frieden, Luigi..

Mittwoch, 4. September 2019

Currywurst wird 70 Jahre alt


Die Currywurst feiert heute ihren 70. Geburtstag. Die Berliner und wir im Ruhrgebiet streiten um die Erfindung. Egal. Ich stehe am Grab von Diether Krebs (1947 – 2000) auf dem Essener Ostfriedhof. Der Schauspieler ist in diesem Viertel groß geworden. Je ein kleiner Findling von ihm und seiner Ehefrau Bettina Freifrau von Leoprechting (1947 – 2006) weisen auf den berühmten Sohn unserer Stadt hin. Die Deutschen kennen Diether Krebs als Schauspieler („Ein Herz und eine Seele“ und „Bang Boom Bang“) und großartigen Komödianten („Sketchup“). Diether Krebs hatte noch eine andere Facette. Er schrieb ein Lied, das eigentlich immer Herbert Grönemeyer zugeschrieben wird. "Currywurst" - Happy Birthday


https://www.youtube.com/watch?v=ExZ5Tp0Jxc4


Gehste inne Stadt
wat macht dich da satt
'ne Currywurst

Kommste vonne Schicht
wat schönret gibt et nich
als wie Currywurst

Mit Pommes dabei
ach, dann gebense gleich zweimal Currywurst

Biste richtig down
brauchste wat zu kaun
'ne Currywurst

Willi, komm geh mit
ich krieg Appetit
auf Currywurst

Ich brauch wat in Bauch
für mein Schwager hier auch noch ne Currywurst

Oh Willi, wat is dat schön
wie wir zwei hier stehn
mit Currywurst

Oh Willi, wat is mit dir
trinkste noch n' Bier
zur Currywurst

Ker scharf is die Wurst
Mensch dat gibt'n Durst, die Currywurst

Bisse dann richtig blau
wird dir ganz schön flau
von Currywurst

Rutscht dat Ding dir aus
gehse dann nach Haus
voll Currywurst

Aufm Hemd auffer Jacke
ker wat ist dat ne k... alles voll Currywurst

Komm Willi
bitte, bitte, komm geh mit nach Hause
hörma ich kriegse wenn ich so nach Hause komm
Willi, Willi, bitte, du bisn Kerl nach mein Geschmack
Willi, Willi komm geh mit, bitte Willi





Sonntag, 25. August 2019

Polizeigeburtstag

Von Preußens Gloria bis zur Neuzeit – von 1909 bis 2019. Knapp 40 Prozent war ich ein Teil davon (1971 – 2014). Die Polizei Essen feierte gestern ihr 110-jähriges Jubiläum mit einem „Tag der offenen Tür“. NRW-Innenmister Herbert Reul, die Oberbürgermeister von Essen und Mülheim, Thomas Kufen und Ulrich Scholten sowie der Gastgeber Polizeipräsident Frank Richter gaben unter den Klängen des Polizeiorchesters und dem Entrollen des riesigen Banners durch SEK-Beamte den Startschuss zur Party.
„110 ist unsere Zahl, 110 steht für den Notruf, Hilfe ist auf dem Weg“, so der Essener Polizeichef. Tausende Besucher fanden auch den Weg zum Polizeipräsidium  an der Büscherstraße. Die International Police Association (IPA), für die ich fotografisch unterwegs war,  und die Interessengemeinschaft Polizei in der Weimarer Republik  stellten ihr historisches Now-how zur Verfügung. Im Foyer des denkmalgeschützten Präsidiums (erbaut von 1914 – 1918) erhielten die Besucher auf Wunsch ihren „Beiwohnerausweis“. Rainer Ackermann, der preußische Kriminalkommissar, haute dabei kräftig in die Schreibmaschinentasten.
Die Kleinsten staunten: „Was ist das für ein Gerät?“ Unsere Kollegen in den historischen Uniformen und ein Zivilagent mussten für viele Selfies herhalten.  Daneben gab es in sieben Stunden, die gesamte Palette der Polizeiarbeit zu bestaunen. Ein toller Geburtstag bei herrlichem Sommerwetter.
https://www.presseportal.de/blaulicht/pm/11562/4356799










Sonntag, 18. August 2019

Zu wenig Polizisten


Gestern erscheint in der Essener NRZ und WAZ als Aufmacher „Erneut weniger Polizisten für Essen“. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) Essen kritisiert die Personalpolitik der Landesregierung, die von einer nachhaltigen Stärkung der Polizei spricht.  Ihr Vorsitzende Heiko Müller und Gewerkschaftskollegen halten dagegen:  „Schönreden der tatsächlichen Personalsituation“. In diesem Jahr wird die Essener Polizei 110 Jahre alt. 43 Jahre gehörte ich dazu. Jetzt beobachte ich die Polizei aus der Distanz und  mit großem Interesse. Ich habe hautnah miterlebt, wie immer mehr Belastungen auf die Kolleginnen und Kollegen dazukamen. Die Dienststärken auf den Hauptwachen wurden geringer. Neue und zeitintensive Formen der Vorgangsbearbeitung zum Beispiel bei häuslicher Gewalt, neue Formen der Kriminalität, neue Aufgaben mit neu geschaffenen Dienststellen, zu viele personalintensive Stabsdienststellen. Ich habe auch Unsinniges miterlebt. Viele Arbeitsstunden wurden durch Beschäftigung mit sich selbst sinnlos „verplempert“, Arbeitsgruppen- und Besprechungsirrsinn.  Stichworte für Insider: Neue Steuerungsmodell, Fehlplanungen im Gebäudemanagement etc. Hinzu kommen soziale Themen wie die Vereinbarung von Familie und Beruf in Form von Teilzeittätigkeit und Organisationsmängel wie die Zerklüftung der NRW-Polizeibehörden in NRW, von denen es knapp 50 gibt.
Heiko Müler kritisiert harsch die Personalpolitik der NRW-Regierung
Die Forderung von Heiko Müller in Richtung Düsseldorf geschieht vollkommen zu recht, bevor wir hier Zustände wie in Berlin  bekommen. Dort registriert und berichtet jetzt das Landeskriminalamt von 59 (!) organisierten Banden bestehend aus deutschen und überwiegend ausländischen Kriminellen.  Sind wir im Ruhrgebiet nicht auch schon auf dem besten Weg dahin? Der Druck auf die Politik muss größer werden, damit asoziales Verhalten nicht noch mehr Überhand nimmt.

Mittwoch, 14. August 2019

Vor 100 Jahren – Die Weimarer Republik


Heute vor 100 Jahren löste die erste demokratische Republik Deutschlands das Kaiserreich ab. Die „Weimarer Republik“ hatte nur 15 Jahre Bestand. Die Verfassung war sehr fortschrittlich. Dann wurde sie von dem verbrecherischen Naziregime abgelöst. Was das bedeutete, wissen wir alle. In den 12 Folgejahren: Krieg, Millionen Tote, Vertreibungen, Verlust der Heimat, Willkür.

Schuld am Scheitern der Weimarer Republik waren Menschen ohne demokratisches Verständnis. Gerade die elitäre Schicht (Professoren, Beamte, Juristen) waren noch sehr rechtskonservativ geprägt und sehnten sich zurück nach dem Kaiserreich. Viele von ihnen verweigerten sogar den Eid auf die Verfassung. Man sprach auch von einer Demokratie ohne Demokraten. Der starke Reichspräsident Hindenburg setzte Hitler als Reichskanzler ein. Das Unheil fing an und setzt sich in den Köpfen mancher bis heute fort. Daran sollten wir uns heute besonders erinnern.

Die Weimarer Verfassung: http://www.documentarchiv.de/wr/wrv.html