Montag, 19. September 2022

ANTON geht in Rente

 

Anton geht in Pension. Er hatte gestern seinen letzten Auftritt beim Abschlusskonzert des NRW-Polizeimusikkorps im Pavillon des Grugaparks. Seinen ersten hatte das riesige Maskottchen der Essener Polizei beim NRW-Tag 2018 in der Innenstadt. Und da lernte er auch gleich seinen höchsten Chef kennen. NRW-Innenminister Herbert Reul begrüßte „Anton“ mit einem kräftigen Handschlag. Kennengelernt hatte er ihn allerdings schon kurz vorher ohne Verkleidung beim „Essenfassen“ in der Mensa der Uni. Andreas Mock, der Leiter der Poststelle der Polizei, steckte in dem kilogrammschweren Kostüm. Rückblickend war es für ihn der heißeste Einsatz. Im wahrsten Sinne des Wortes. An den zwei Tagen im August herrschten Außentemperaturen bis zu 35 Grad. Da kann sich jeder vorstellen, wie es darunter kochte. Der 60-Jährige hat an diesem Wochenende fünf Kilo Lebendgewicht verloren. Was seine Frau, die Krankenschwester in Werden ist, zu der Aussage verleitete: „Kannst öfter als ANTON auftreten.“ Andreas bringt bei einer Größe von 198 cm immerhin 94 Kilogramm auf die Waage.

Musikalischer Abschied in der Gruga
In der vierjährigen „Amtszeit“ trat ANTON bei vielen Veranstaltungen auf und war somit ein Teil der polizeilichen Öffentlichkeitsarbeit. Besonders die Kinder mochten ihn, ob beim NRW-Tag, bei den Feierlichkeiten rund ums Polizeipräsidium beim „Steigerfest“ oder „110-Jahre-Jubiläum“, beim Ferienspatz in der Polizeischule an der Norbertstraße oder der 100-Jahr-Feier des Polizeispotvereins noch vor kurzem in der Gruga.

Besucherin Sabine wird persönlich begrüßt
Andreas Mock stammt aus einer Polizeifamilie. Sein Vater Joseph war beim Fahrdienst der Essener Polizei beschäftig und fuhr lange Jahre die Polizeipräsidenten Hans Kirchhoff und Dr. Max Bloser. Zwischenzeitlich wurde er sogar als Fahrer zum damaligen Bundespräsidenten Gustav Heinemann abkommandiert. Andreas Mock erinnert sich noch als Junge gut daran, als die Sicherheitsbeamten des Staatsoberhauptes sich mit ihrem schwarzen Porsche Targa und Blaulicht in den Nebenstraßen in Bergerhausen verfahren hatten und zufällig ihn nach dem Weg fragten. Er eskortierte dann mit seinem Fahrrad voraus die Personenschützer zu seinem Wohnhaus, wo schon sein Vater auf die Sicherheitsbeamten wartete, um Gustav Heinemann abzuholen. Und die Polizeigeschichte der Familie Mock findet seine Fortsetzung. Auch der Sohn ist Polizist und arbeitet als Hauptkommissar bei der Kripo - ebenso wie seine Schwiegertochter Eva. Da ist der Weg der vierten „Mock-Generation“ schon vorgezeichnet. Die gesamte Familie war gestern auch beim Abschied von ANTON dabei.

Das Geheimnis Andreas Mock hinter der Maske
Aber jetzt ist für den Regierungsangestellten Andreas Mock Schluss. Ein Nachfolger ist noch nicht in Sicht. Das wird kein leichtes Unterfangen sein, denn da muss schon jemand von stabiler Gestalt unters Kostüm schlüpfen.

ANTON alias Andreas Mock beim Firmenlauf
 Gestern weinte der Himmel im Grugapark. Es goss wie aus Kübeln und war gerade mal an diesem Spätsommertag 10 Grad kalt. So schließt sich der Kreis. Ist Anton beim ersten Mal im Kostüm fast verschmolzen , hatte er es gestern muckelig warm unter seiner Plüschkleidung. Tschüs ANTON.

Dieser ANTON wird jetzt auch zur Polizeigeschichte

 

 

Freitag, 16. September 2022

Unsere Arme bleiben dran

 

In den 1980er-Jahren habe ich mir einen Indianer auf den linken Oberarm tätowieren lassen, da mir die Ureinwohner Amerikas immer sympathischer waren als die europäischen Einwanderer, also die Cowboys. Da die Tätowierkunst zu dieser Zeit noch nicht so weit und gut war wie heute, kam Jahre später ein so genanntes Coverup darüber. Dieses Mal als Maori-Symbol. Nach heutiger Auffassung würden einige Kritiker sagen: zweiter Fehler - kulturelle Aneignung.  Für mich war es allerdings eine Hommage an beide Bevölkerungsgruppen.

Links Sitting Bull - rechts  Nscho-tschi
Anfang der Woche auf dem Kaiser-Otto-Platz fiel mir im Café ein älterer Mann (69) mit seiner Partnerin am Nebentisch eines Cafés auf.  Er trug ein ärmelloses Shirt. Auf dem rechten Oberarm prangte ein Indianer-Tattoo. Wie er mir später erklärte, ziert der mittlerweile leicht verblasste Sitting Bull schon knapp zwei Jahrzehnte die Muskeln an dieser Stelle. Auf die Frage, ob ich ein Foto machen darf, erwiderte er: „Aber dann auch von beiden Armen.“ Denn auf der anderen Seite schaute mich eine Indianerin an. Nscho-tschi, die Schwester von Winnetou. Ihr wisst schon, die im Film von Mario Adorf erschossen wurde.

Natürlich kamen wir älteren Männer über die zurzeit andauernde hitzige Diskussion über Winnetou, Dreadlocks, Hautfarben oder Reggeamusik ins Gespräch. Die Meinungen gingen dabei nicht auseinander. Unser Fazit: Unsere Arme bleiben dran, auf seinen Sitting Bull und  Nscho-tschi, auf meinen die Maoris. 


 

Dienstag, 6. September 2022

Olympische Spiele 1972 in München

 Polizistin Anneliese Graes - eine wenig  bekannte Heldin in dem Drama.

Es war ein Versagen der bayrischen Sicherheitsbehörden auf der ganzen Linie. Vom Schutz der israelischen Olympia-Mannschaft über die dilettantische Befreiungsaktion bis hin zur Kommunikation. Und so entstand die Titelseite der NRZ am 6.9.1972. Wie wir wissen, kamen alle israelischen Geiseln und der Polizist Anton Fliegerbauer sowie fünf der palästinensischen Attentäter ums Leben. 

Titelseite der NRZ vom 6.9.1972

Viele Polizisten aus dem gesamten Bundesgebiet unterstützen während der Spiele die bayrische Polizei. Darunter auch waren mein Vater und die Essener Polizistin Anneliese Graes.

Bei der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes - rechts Polizeipräsident Hans Kirchhof
Was viele nicht wissen, dass sie die Verhandlungen mit dem Geiselgangster vor der Wohnung der israelischen Mannschaft im olympischen Dorf führte, weil sie so gut Englisch sprach. Sie soll sogar zum dem Anführer gesagt haben: „Was soll dieser Unsinn?“ Die damals 41-jährige Kriminalhauptmeisterin, die beim 2. Kommissariat (Sexualdelikte) Dienst versah, hat sich sogar als Austauschgeisel angeboten. Dafür bekam sie 1974 das Bundesverdienstkreuz. Anneliese Graes war ein bescheidene und pflichtbewusste Polizistin. 

Kurz vor ihrer Pensionierung ließ sie sich jeden Tag schwerkrank mit dem Taxi ins Polizeipräsidium fahren. In der gestrigen Dokumentation über das Attentat war sie kurz im Film zu sehen.

1976 erschien der Film „Die 21 Stunden von München“ mit Franco Nero, der den Anführer Issa spielte. Anneliese Graes war für die amerikanische Filmproduktion als Beraterin tätig. Genau 20 Jahre nach dem Attentat starb die Essener Polizistin

Als Hostess bei den Spielen - Im Gespräch mit Anführer

 

Samstag, 3. September 2022

Mein Onkel...

 ... feierte jetzt seinen 97. Geburtstag. Über ihn hatte ich schon im Blog berichtet (siehe unten).

Oswald Distelrath, der jüngere Brüder meiner Mutter, Geburtsjahr 1925, in jungen Jahren im Krieg als blutjunger Offizier mit 18 Jahren ("Ich weiß, was Krieg bedeutet") Zeuge von Tod, Gräueltaten, russische Gefangenschaft und Rückkehr ins Ruhrgebiet mit sage und schreibe 36kg Lebendgewicht, überzeugter Sozialdemokrat und Gewerkschafter. Die einzige berufliche Enttäuschung. Onkel Oswald war auf dem Sprung zum Oberstadtdirektor in Wanne-Eickel. Die Eingemeindung nach Herne verhinderte diese Verwaltungskarriere. In einem Artikel aus den 1960er Jahren wird er wie folgt beschrieben: "Der Chef des Personal- und Hauptamtes, pflegt eine sehr, verbindliche, eher unpreußische Art. „Das gute Verhältnis der Mitarbeiter untereinander und das Vermeiden eines Mauerbaus zwischen den hierarchischen Ebenen hält Oswald Distelrath für den wichtigsten Grundsatz, wenn eine Stadtverwaltung gut funktionieren soll. Er findet, ein gutes Betriebsklima, strahlt letztlich auch auf den Umgang mit dem ratsuchenden Bürger.“ 

Onkel Oswald und Neffe Uwe auf der Geburtstagsfeier

Bis heute ist mein Lieblingsonkel an der aktuellen Politik interessiert : "Jeden Tag Zeitung lesen, drei Mal Nachrichten hören oder sehen und - wenn möglich - eine Talkshow im Fernsehen schauen." Er ist mein "Helmut Schmidt", gepaart mit Wissen und Lebenserfahrung, also Weisheit.  Nach der Trennung von seiner Frau, lebte er in Partnerschaften mit zwei Frauen, die leider starben. Aber Onkel Oswald wäre nicht Onkel Oswald. Er ist wieder in einer festen Lebenspartnerschaft mit Christa (82). Aber der große Altersunterschied ist kaum bemerkbar. Hoffentlich erlebe ich ihn noch viele Jahre. 

 http://ausserdienst.blogspot.com/2015/08/superrentnersuperonkel.html

 http://ausserdienst.blogspot.com/2018/03/gesprache-mit-oswald.html

http://ausserdienst.blogspot.com/2020/04/was-ware-wenn.html