Sonntag, 23. Juli 2023

Sternfahrt der „Blue- und Red-Knights“ für die Anschlagsopfer

Essen/ Ratingen: Rund 300 Motoradbegeisterte aus Justiz, Zoll, Feuerwehr und Polizei – organisiert in den Motorradclubs „Blue- und Red-Knights“ – machten sich am Samstag (22.07.2023)  in einer Sternfahrt auf den Weg nach Ratingen. Mit der Fahrt sammelten die Biker aus der Blaulichtfamilie Spenden und setzten ein Zeichen der Solidarität und des Respekts mit den Einsatzkräften, die bei dem gemeinen Feueranschlag in Ratingen teilweise lebensgefährlich verletzt worden waren. Drei Polizisten befinden sich immer noch im Krankenhaus. Die Schirmherrschaft übernahm NRW-Innenminister Herbert Reul.


 Gestartet wurde in Moers, Köln, Dorsten und in Essen. Den Anstoß und die Idee für die Sternfahrt gab und hatte der Polizeibeamte Günter Geukes (59) aus Bocholt (Vizepräsident der Blue Knights 22). 

Vor der katholischen Kirche St. Peter und Paul in Ratingen sprachen neben dem Veranstalter, der Ratinger Bürgermeister Klaus Pesch, die NRW-Staatssekretärin und frühere Polizeibeamtin Dr. Daniela Lesmeister, der Mettmanner Polizeichef Thomas Decken und Leiter der Ratinger Feuerwehr René Schubert.

Ein vierstelliger Betrag kommt den Opfern des Brandanschlags zugute. Unterstützt wurde die Sternfahrt von der International Police Association (IPA) in Essen. Von der Polizeiliegenschaft an der Theodor-Althoff-Straße aus startete die Gruppe nach kurzer Rast und Stärkung mit 60 Motorrädern in Richtung Ratingen.

Fotoimpressionen:













 

 

Samstag, 22. April 2023

NACHWUCHSSORGEN BEI DER POLIZEI


Die NRW-Polizei hat Nachwuchssorgen. Es fehlen die Bewerber. Die Landesregierung (CDU/ Grüne) wollte 3000 junge Leute einstellen. Ziel verpasst. Die Bewerbungsfrist wurde verlängert.
Jetzt kommt ein neuer Vorschlag vom Innenminister Herbert Reul. Seiteneinsteiger sollen das Defizit ausgleichen. In der NRZ wird der CDU-Politiker wie folgt zitiert: „Vielleicht Spezialisten wie Bankkaufleute oder Leute aus einer Kfz-Werkstatt oder – das wäre traumhaft – aus der Informationstechnologie.“
Diese Idee ist nicht neu. In den 1960er-Jahren stellte der damalige Innenminister Willi Weyer (FDP) Polizisten aus anderen Berufen ein. Viele davon aus dem Bergbau nach dem Zechensterben im Ruhrgebiet. Sie wurden intern „Weyerlinge“ genannt. 
Werbeplakat aus den 1960er-Jahren

 
Ich hätte einmal einen anderen Vorschlag für die Landesregierung: Polizeireform im großen Stil. Kein anderes Land hat 47 (!) Polizeibehörden, davon 29 Landratsbehörden und 18 Polizeipräsidien. Hinzu kommen drei Landesoberbehörden - Landeskriminalamt (LKA), Landesamt für Zentrale Polizeiliche Dienste (LZPD) und Landesamt für Aus-/ Fortbildung und Personalangelegenheiten (LAFP - mit jeweils über 1000 Bediensteten. Kein anderes Bundesland hat so ein zerklüftetes System. Anfang 2003 wollten SPD, Grüne und FDP dieses nach einem Landtagsbeschluss ändern. Der ehemalige Landespolizeipräsident aus Hessen, Udo Scheu, legte das Ergebnis der 13-köpfigen Kommission vor. Auf sechs bis zehn bis maximal 20 Polizeipräsidien sollte NRW reduziert werden. Zu früh gedacht. Denn 2005 gab es einen überraschenden Regierungswechsel. Der neue Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) und sein Innenminister Ingo Wolf (FDP) ließen das „Scheu-Papier“ wieder in den Schubladen verschwinden. Der Grund wird vermutet. Damit hätten viel CDU-Landräte „ihre Polizei“ abgeben müssen. Am Rande: Bei der Umstellung der Polizeiuniformen von Grün auf Blau wurde die hohe Anzahl der Innendienstkräfte bekannt, weil zwischen Außen- und Innendienstuniform eingekleidet wurde. Manchmal hilft ein Blick zurück in die Polizeigeschichte.
 
Das Foto stammt aus dem Polizeimuseum der International Police Association (IPA) Essen: Die Polizei warb in der 60er-Jahren mit Porsche, Cabrio und Motorrad. Später kam noch der Hubschrauber hinzu.

Freitag, 24. Februar 2023

Oppas Krieg

 

Wenn Oppa über den Krieg erzählt. Richtig gelesen. Oppa mit zwei P, und ich habe nicht den Finger zu lange auf der Tastatur oben rechts gehalten. So spricht man den Begriff im Ruhrgebiet aus. Das langgezogene O schmerzt in unseren Ohren. Genug der Vorrede.

 Oppa erlebte und überlebte zwei Weltkriege. Von seinem Krieg erfuhr ich als kleiner Junge. Meine Eltern „parkten“ häufig abwechselnd meine drei Brüder und mich am Wochenende gerne mal bei Omma und Oppa Wanne, wie wir Kinder sie nannten. Eigentlich hießen sie Caroline (Lina) und Wilhelm (Willi). Und wohnten in Wanne-Eickel. Jetzt wissen wir auch die Namensherkunft.

Wilhelm Distelrath 1914 als stolzer Gardeschütze

Für uns Kinder eine schöne Auszeit von daheim. Oppa brachte uns Schach und diverse Kartenspiele bei, Omma verwöhnte uns mit allerlei Speisen und Süßigkeiten. Und gemeinsam guckten wir samstags den „Blauen Bock“.

 Der Sonntagmorgen hatte auch sein Ritual. Omma bereitete in der Küche das Frühstück vor. Im Radio lief evangelischer Gottesdienst. Sie war textsicher und sang jedes Kirchenlied fehlerfrei, lautstark mit. Ich schlüpfte unter das riesige Oberbett von Oppa.

Und er erzählte seine Geschichten. Gerne vom 1. Weltkrieg. Wie sich die deutschen und französischen Soldaten in Gräben nicht weit voneinander gegenüberlagen, beschossen und manchmal auch mit dem Bajonett erstachen. Dann holte er aus dem Nachttisch eine Bleikugel. Die hatte ein Arzt ihm aus der Lunge entfernt, ein so genanntes Schrabnellgeschoss. Da man dachte, der junge Soldat Wilhelm Distelrath aus Gelsenkirchen sei tödlich getroffen, landete Oppa aufgereiht bei den gefallenen Kameraden in einem riesigen Zelt. Kurz bevor sie zur letzten Ruhestätte im Feindesland begraben werden sollten, musste der Regimentsarzt noch eine Leichenschau vornehmen. Als er in Höhe des jungen Wilhelm stand, musste dieser leicht hüsteln. „Der lebt noch, ab ins Lazarett“, soll der Arzt zackig gesagt haben. So überlebte mein Großvater den 1. Weltkrieg. Die Geschichte machte mir damals keine Angst. Auch deshalb nicht, weil Oppa sie so zurückhaltend erzählte. Die Märchenstunde wurde durch Ommas Ruf aus der Küche beendet: „Frühstück ist fertig.“ 

Opa Wanne im Kreise seiner Kameraden

 Den zweiten Weltkrieg verbrachte Oppa in Wanne-Eickel. Tagsüber arbeitete er als Rangierer am Bahnhof, die Bombennächte der Alliierten verbrachten Omma und er – manchmal auch mit Tochter Katharina - im Bunker. Sein Sohn Oswald war Soldat. Nach einem Bombenangriff kamen die Großeltern zurück zum Wohnhaus. Nur, es gab es nicht mehr. Eine Bombe der Engländer hatte ganze Arbeit geleistet. Oppa Wanne fischte aus den Trümmern kleinere Habseligkeiten und einen Kuchen, den Omma noch vor dem hektischen Aufbruch in den Hochbunker gebacken hatte. Am 8. Mai 1945 wurde Deutschland von den Alliierten von einem Verbrechersystem endlich befreit. Der Krieg war beendet. Oppa Wanne wurde 97 Jahre alt.

Opa Wanne im  hohen Alter - auch dieser Schrank hat eine Kriegsgeschichte
 Seit fast 80 Jahren leben wir in Deutschland in Frieden. Zwar existierte immer dieser West-Ost-Konflikt. Und 1963 standen sich in Berlin amerikanische und russische Panzer gegenüber. Trotzdem, es blieb friedlich. Jetzt wütet wieder ein Krieg in Europa. Begonnen und angezettelt von einem kleinen Mann, der mit seiner Entourage im warmen Moskauer Palast residiert.

Genau vor einem Jahr begann der Überfall auf die Ukraine. Menschen sterben qualvoll, Frauen werden vergewaltigt, Kinder verschleppt. Soldaten beider Seiten sterben zu Tausenden. Auf den Weg zum Frieden setzen Realpolitiker auf Waffenlieferung für die angegriffene Ukraine, die anderen auf Verhandlungen.


 

Freitag, 17. Februar 2023

Ein ganz besonderes Geschenk

 

Es gibt sprachlose Momente im Leben. So einen habe ich heute erlebt. An meinem 70. Geburtstag. Viele, ganz viele, Menschen haben mir gratuliert. Kein Wunder, wenn man im sozialen Netzwerk seit Jahren unterwegs ist. Man hat viele „Freunde und Freundinnen“ darin. Eine heißt Selma Poljak Dedić. Sie und ihre Familie haben meine Frau und ich bei der Kinderhilfe im Hundertwasserhaus kennengelernt. Ihr Sohn Emir ist krank, schwer krank. Die Familie aus Linz stammt ursprünglich aus Bosnien, während des Balkankriegs vertrieben und in Österreich gestrandet. Selma schenkt mir heute zum Geburtstag einen Text. Ich weiß durch ihre Beiträge im Netzwerk, dass sie gut schreiben und formulieren kann. In ihrer Muttersprache. Ich lasse die Texte mit Hilfe von Google übersetzen. Auch wenn sie in Deutsch nicht so ausdrucksstark sein können. Trotzdem begeistern sie mich. Im Mittelpunkt ihrer Gedanken steht meist Emir, ihr schwer kranker Sohn, aber auch ihre Tochter Hana und ihr Mann. Die Österreicher würden sagen, Emir, ein braver Bub. In Hochdeutsch übersetzt: Emir, ein tapferer Junge.  Selma über ihn am am Internationalen Tag krebskranker Kinder : "Mehr gereift als viele Erwachsene, fest und stark wie ein Grat immer vom Wasser getröstet, mein Emir, der Held meines Lebens." Von diesen kleinen, starken Geschöpfen haben wir in der Kinderhilfe viele kennenlernen dürfen. Auch wenn es manche nicht geschafft haben. So wie Moritz (8), Samantha (11) oder Theo (8).Heute bin ich 70 Jahre alt geworden und bekomme dieses wunderbare Geschenk von Selma. Zeilen, die ich mit euch teilen möchte, weil sie so kraftvoll, so sensibel und liebevoll formuliert sind. Als älterer Herr bin ich gerührt von diesem schönen Geschenk, das durch ein materielles nicht getoppt werden kann. Und es ist mir nicht peinlich zu sagen, dass meine Augen feucht wurden. Danke, liebe Selma.

 

Selma Poljak Dedić 2018


 Selma schreibt:

 „Oft trifft man ganz tolle Menschen die einem in guter Erinnerung bleiben, einem das gute Bauchgefühl vermitteln, beim Gedanken an sie ein Lächeln auf die Lippen zaubern und das alles in ganz, ganz schweren Lebenssituationen.

In so einer unerwünschten Situation haben wir ihn kennengelernt, wir kamen in seiner Heimatstadt Essen an, mit ganz viel Ungewissheit und Angst im schweren Gepäck. Viele ganz tolle und bemühte Menschen haben uns damals im Essener Ronald McDonald Haus empfangen, haben sich um uns gekümmert, haben uns bekocht und haben ihr Bestes gegeben, um dieses Zuhause auf Zeit ein bisschen mehr heimelig zu machen….und da war auch er, Woche für Woche kam er mit seiner liebenswürdigen Frau und kümmerte sich um Menschen dort auf seine eigene und besondere Art.

Die etwas andere gute Seele dieses Hauses.

Ich glaube, dass es kein Kind oder keine Familie im schönsten Haus von Essen gibt, die nicht durch sein Objektiv verewigt wurde.

Durch seinen früher ausgeübten Beruf sorgte er für eine gewisse Ordnung und Recht, eine bestimmte Sicherheit in dieser unsicheren Zeit, er strahlte so viel positive Energie und Hoffnung aus und seine natürliche Neugier und Wissbegierde war und ist unersättlich. Er interessierte sich für Menschen, ihre Geschichten, wie sie sind, woher sie kommen, wie sie die Welt sehen und erleben, wo sie hin möchten? Manchmal war es wie ein liebevolles "Verhör", dabei konnte er nicht anders und merkte sich so viel Wichtiges und Nebensächliches, um das nächste Mal wieder genau dort anknüpfen zu können. Dadurch vermittelte er den Menschen das Gefühl, das sie mehr sind und noch immer ein anderes Leben außerhalb der bunten Mauern haben, ein Leben welches danach wieder auf sie wartet.

Jahre vergingen und jedes Mal, wenn wir wieder dort waren, kam er vorbei, wollte ein Update, wollte wissen wie es uns geht, das schätzte ich immer sehr.

Wie es das Schicksal haben wollte, kam er dann leider selbst in Versuchung und nahm es wie die Kinder des Ronald McDonald Hauses tapfer mit dieser elendig grausamen Krankheit auf. Jetzt nach dieser intensiven Zeit kann er die Menschen aus dem bunten Haus noch besser verstehen und spüren, kann die Geschichten noch mehr nachvollziehen.

Und weil das Leben nur den Starken, Tapferen und Unerschrockenen immer eine weitere Chance gibt, bekam auch er ein zweites, wenn auch anderes Leben und ich freue mich dass es ihm heute gut geht, dass er Pläne schmiedet und Reisen plant, das Leben genießt, liest und uns seine Sicht der Dinge auf seiner Facebook Wand teilt.

Heute feiert er einen runden Geburtstag und ich freue mich mit und für ihn, dass er das kann und darf. Ich freue mich auf ein weiteres Wiedersehen, auf ein wie immer gutes Gespräch und auf viel Lachen, bis dorthin wünsche ich dir viel Gesundheit, Freude, Neugier, Zufriedenheit, Glück und ganz viele tolle Gespräche mit besonderen Menschen.  Alles Gute zu deinem 70. Geburtstag lieber Uwe Klein!

Es umarmen dich die Österreicher mit bosnischen Wurzeln, auf bald, Servus und pass auf dich auf.“