Die Krux mit dem Familiennamen. Mir sagte mal eine Kollegin
mit Doppelnamen kurz nach der Heirat: „Nach einer Woche habe ich ihn abgelegt.
Er war nicht alltagstauglich.“ Dabei war er noch nicht einmal so lang wie der
von Sabine Leutheusser-Schnarrenberger
oder Annegret Kramp-Karrenbauer. Im Boulevard hießen die beiden Politikerinnen
dann manchmal abgekürzt „die Schnarre“ oder „die Knarre“. Hilft eine
Namensänderung dabei, einfacher durchs Leben zu kommen?
In den USA haben viele Einwanderer ihre Namen geändert und
tun es immer noch. Das Namensrecht lässt es zu. Der berühmte Schauspieler Kirk
Douglas war ein gebürtiger Issur Danielowitsch Demsky. Charles
Bronson hieß ursprünglich Charles Dennis Buchinsky. Und Woody Allen (Foto) kam
als Allen Konigsberg auf die Welt.
Selbst aus meinem Namen „Klein“ wurde schon einmal ein „Kline“, weil der Träger
seine deutsche Herkunft verbergen wollte. So wurden die Menschen mit
ausländischen Wurzeln mit einem Pinselstrich „richtige“ US-Bürger.
Durch Zuwanderung gibt es bei uns immer mehr schwer
auszusprechende Familiennamen. Das ist nichts Neues. Ich denke an die
Zuwanderer aus Polen ins Ruhrgebiet. Da machten wir Kinder uns schon einen Spaß
raus. Schischibowski.
Jeder kennt das gute Gefühl, wenn er mit seinem Namen
angesprochen und begrüßt wird. Das ist auch eine Frage der Wertschätzung und
Anerkennung. Deshalb mag ich im Berufsleben auch Namensschilder. Sie
erleichtern die Kommunikation. Sprecht mal eine Kassiererin mit ihrem Namen an. Die meisten freuen sich. Aber was ist, wenn ich den Namen gar nicht
aussprechen kann, beziehungsweise es sehr schwer fällt? Zungenbrecher. Selbst
Moderatoren oder Nachrichtensprecher scheitern manchmal daran.
Es gibt Menschen, die stellen andere aufgrund des Aussehens
und der Herkunft in eine negativ besetzte Ecke. Bewerber mit fremdländisch
klingenden Namen werden erst gar nicht zum Einstellungsgespräch eingeladen. Die
Unterlagen von Wohnungssuchenden landen in den Papierkorb. Das ist unfair und
auch nicht zulässig. Ist aber leider Alltag.
Anderes Problem. Manch ein Name ist so kompliziert, dass die
Gefahr der falschen Eingabe in ein Verwaltungssystem groß ist. Mir ist
persönlich ein Fall bekannt, bei dem der Sachbearbeiter einer
Wohnungsbaugesellschaft gleich drei Schreibfehler in einen Namen produzierte.
Bei einem Wohnungswechsel innerhalb des selben Unternehmens blieb mir folgender
Satz in Erinnerung: „Die Familie kennen wir hier nicht.“
Früher passierte so etwas, wenn sich in der behördlichen
Lebenskette ein Standesbeamter verschrieb. So wurde mein Onkel Werner als
Passenheim geboren und als Pahsenheim beerdigt.
Bei der Polizei gibt es ähnliche Fehlerquellen. Ein
Tippfehler auf der Tastatur und jemand
fällt bei einer Abfrage durchs Fahndungsnetz. Hat er Pech, ist er drin.
Jeder Mensch sollte das Recht auf Namensänderung in Anspruch
nehmen dürfen. Egal aus welchen Gründen.
Im deutschen Recht ist das möglich. Aber es ist die
Ausnahme, und dient dazu, im Einzelfall mit dem bisherigen Namen verbundene
Behinderungen zu beseitigen. Wenn man zum Beispiel einen frivol oder lächerlich
klingenden Namen hat, wie der damalige Handballbundestrainer Werner Vick. Meine
Mutter erzählte häufig von einem Herrn Scheißmann. Oder Namen, die in
Schreibweise und Aussprache über das Normalmaß hinaus Schwierigkeiten zur Folge
haben.
Ich würde jedem eine Namenänderung anraten, wenn die Gefahr
der Diffamierung damit verbunden ist. Eine Möglichkeit der Chancengleichheit.
Wer das politisch ablehnt, argumentiert vielleicht unbewusst
wie es die Nazis getan haben. Sie wollten keine Namenänderungen, weil „jede
Namenänderung die Herkunft der Familie die blutmäßige Abstammung verschleiert.“