Montag, 15. Juni 2020

Ein Rapper


„Rapper“. Was denken viele? Dunkle Hautfarbe, Goldketten, dicke Autos, leicht bekleidete Frauen als Staffage, sexistische, homophobe Texte. „Libanese“. Sofort kommt einem der Begriff „Familienclans“ in den Sinn. Alles „Bullshit“ um sprachlich im Rap-Genre-Vorurteil zu bleiben.

Jetzt lernen wir einen Künstler kennen, der nicht in diese Schublade passt. MoTrip sein Künstlername. Mohamed El Moussaoui sein richtiger Name. 32 Jahre alt, geboren in Beirut, in Kürze mit seiner langjährigen Liebe verheiratet, 2 Kinder.

MoTrip singt mit dem Konzerthausorchester Berlin „Embryo“

In der Fernsehsendung „Sing meinen Song – das Tauschkonzert“ lernen wir einen jungen Mann kennen, der keines der zuvor beschrieben Vorurteile bedient. Ein bescheidener, eher zurückhaltender, empathischer Mann. Seine Text sind mehr als nur Liedzeilen. Er sitzt im Kreise von Musikern auf der Couch und weint, als einer eines seiner Songs vorträgt. „Embryo“ heißt er. In dem Lied verarbeitet der 32-Jährige das Trauma einer Abtreibung. Vor Jahren haben er und seine Freundin sich gegen ein Kind entscheiden. („Ich trage diese Narben nicht umsonst“). Er spricht über die Flucht seiner Familie aus dem Libanon nach Deutschland, als er noch ein Baby war.

Voller Demut erzählt er, welche Chancen ihm dieses Land ermöglicht hat. Wenn alle so denken und handeln würden, wäre Ausländerfeindlichkeit, Rassismus, Ausgrenzung nicht so ein großes Thema. Nicht nur in  Deutschland. Du machst Mut, Mohamed El Moussaoui.

Samstag, 13. Juni 2020

Gesetzesvorlage - Bürger- und Polizeibeauftragter für Berlin


Die Regierungskoalition (SPD, Grüne, LINKE) in Berlin möchte einen Landesbeauftragten für die Polizei einsetzen. Das Thema ist nicht neu, aber gerade jetzt nach den Vorfällen der Polizeigewalt in den USA und den Demonstrationen in Deutschland wieder aktuell geworden. Ein Online-Magazin titelt sogar in einem Beitrag von gestern: „Polizisten sollen Weltanschauung und Sexualleben offenlegen“. Die Gesetzesvorlage von Januar für die  Abgeordneten im Landesparlament der Bundeshauptstadt ist Ausfluss der Koalitionsvereinbarungen der drei Parteien. Der Bürger- und Polizeibeauftragte soll „im Rahmen des parlamentarischen Kontrollrechts des Abgeordnetenhauses die Stellung des Bürgers im Verkehr mit den Behörden stärken“. Ihm werden weitreichende Rechte eingeräumt. In gewissen Fällen kann er sogar von Polizisten so genannte sensible Daten einfordern, „soweit dies zur Erfüllung seiner Aufgaben notwendig ist“. Dazu gehören zum Beispiel die Parteizugehörigkeit, Weltanschauung, Religion, sexuelle Orientierung und sogar die Hautfarbe.
Das Foto zeigt die Berliner Polizistin Jasmin vom „Abschnitt 24“. Der Fotograf Nady El-Tounsy @nadyeltounsy hat sie bei einer Nachtschicht ins Bild gesetzt. Hier veröffentlicht im Instagram-Account der Berliner Polizei





Gesetzentwurf vom 20. Januar 2020:

Donnerstag, 11. Juni 2020

Polizeigewalt? SPD-Politiker distanzieren sich von Parteichefin Esken


Jetzt rücken auch einige Politiker der SPD von den Äußerungen ihrer Parteichefin Saskia Esken ab, die über latenten Rassismus bei der deutschen Polizei sprach. Beginnt langsam ihre Degradierung als Vorsitzende der SPD? Sie macht einfach eine schlechte Figur, nicht nur in Fragen der Sicherheit. Das schadet der Partei und dem zweiten Vorsitzenden Norbert Walter-Borjans.
Parteifreunde distanzieren sich von ihrer Parteichefin

SPD-Justizministerin Christine Lambrecht: „Ein besonderes strukturelles Problem sehe ich bei der Polizei nicht“. (Quelle: NRZ/ Osnabrücker Zeitung). Ebenso gingen die SPD-Innenminister von Niedersachsen, Thüringen und Berlin (!) auf Distanz zur Parteichefin. Boris Pistorius, Innenminister von Niedersachsen: „Der Polizei zu unterstellen, sie habe ein größeres Problem mit Rasssismus als andere Lebensbereiche, ist falsch und setzt die mehr als 300.000 Polizisten in Deutschland einem ungerechtfertigen Generalverdacht aus.“ Georg Maier aus Thüringen: „Es gibt keine Rechtfertigung dafür, die Integrität der Polizei strukturell infrage zu stellen.“ Geht doch SPD. (Quellen: NRZ, afp,dpa)

Mittwoch, 10. Juni 2020

Ver.di-Gewerkschafterin diffamiert deutsche Polizei

Da fällt mir heute Morgen beim Lesen meiner Tageszeitung das Brötchen aus dem Gesicht. Uschi Gerster von der Gewerkschaft „ver.di“ (Vertrauensleutesprecherin des Uniklinikums Essen) behauptet auf einer Demo am Uni-Klinikum.“ Auch die deutsche Polizei begehe rassistische Morde.“ Schon in der Ankündigung (Pressemitteilung) heißt es: „Polizeigewalt ist in Deutschland an der Tagesordnung.“ Ja, drehen jetzt alle am Rad? Die SPD-Chefin Saskia Esken stellt die Polizei schon unter Generalverdacht, jetzt auch noch eine Gewerkschafterin. Wo leben die Beiden? Ja, es mag Übergriffe geben, aber dies als strukturelles Problem darzustellen, entbehrt jeglicher Grundlage. Deutschland hat die best ausgebildeten Polizisten weltweit. Frau Gerster, entschuldigen Sie sich bei meinen Kolleginnen und Kollegen. Und von der Gewerkschaft „ver.di“ erwarte ich, dass sie sich von den Äußerungen distanziert und sich bei allen Polizistinnen und Polizisten entschuldigt.
Artikel aus der Neue Ruhr Zeitung vom 10. Juni 2020

Dienstag, 9. Juni 2020

Nackt durch die Nacht...


Sag’ ich doch immer. Polizisten haben Logenplätze des Lebens. Sie werden mit Sachverhalten konfrontiert, die eher in den Bereich DAS-GIBT-ES-DOCH-GAR-NICHT gehören. Einige Geschichten habe ich hier ja schon erzählt. Das Foto von meinem Kollegen, der mit dem Polizeimotorradroller unterwegs war, habe ich zufällig im Essener Süden "geschossen". Die Frau hatte sich am helllichten Tag an einer stark befahrenen Straße ausgezogen.
Hier ist wieder eine Geschichte:

Im Fahrschulwagen saß ein Pärchen. Beide nackt. Als die Polizei den Wagen anhalten wollte, gab die Fahrerin Gas, hielt sich aber an die zulässige Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h. Als dann der schwarze Kleinbus aus Frankfurt gestoppt werden konnte, rammte die Fahrerin (25) einen Streifenwagen, verriegelte die Tür. Die Polizisten schlugen die Scheibe ein, nahmen die beiden Nackten fest. Der Wagen war in Frankfurt unterschlagen worden. Festnahme - Blutprobe - Wache. Dann endet die Geschichte. 
Hier geht’s zur amtlichen Meldung:
https://www.presseportal.de/blaulicht/pm/11562/4618056

Donnerstag, 4. Juni 2020

St. Louis – Plünderer töten Ex-Polizist


„Sein Lächeln erleuchtete jedes Zimmer“. Das schreibt Cynthia Wood DuBoise über ihren Schwager David Dorn, der in der Nacht von Plünderern in St. Louis erschossen wurde. Der pensionierte Polizist aus St. Louis wurde 77 Jahre alt. Cynthia schreibt weiter: „Er war Ehemann, Papa, Bruder, Onkel, Opa, Schwager, Freund, Captain, der liebevollste, sanfteste, süßeste Mann, den Gott je erschaffen hat. Er hat meine Schwester wie eine Königin behandelt. Wir werden in so vermissen.“ Der pensionierte Polizist hinterlässt fünf Kinder und zehn Enkel.

David Dorn trug den Dienstgrad eines Captains, bevor er in den Ruhestand ging. In der Todesnacht wollte er das Geschäft eines Freundes vor Plünderen schützen. Hierbei erschossen ihn die Täter. Der 77-Jährige starb vor dem Leihaus, das er vor dem Mob schützen wollte. Die Anteilnahme in den USA ist sehr groß. Auch deutsche Polizeikollegen bedauern diesen sinnlosen Tod. Einer seiner Söhne sagte allerdings:“Wenn mein Vater schon sterben musste, dann so. Er wollte helfen und schützen. Das war sein Leben.“

St. Louis - Looters Kill Ex-Police Officer
"His smile lit up every room." Cynthia Wood DuBoise writes about her brother-in-law David Dorn, who was shot by looters in St. Louis that night. The retired St. Louis policeman turned 77. Cynthia continues: “He was a husband, dad, brother, uncle, grandpa, brother-in-law, friend, captain, the loving, gentlest, sweetest man God has ever created. He treated my sister like a queen. We will miss in such a way. ”The retired police officer leaves behind five children and ten grandchildren.
David Dorn was a captain before retiring. On the night of death, he wanted to protect a friend's business from looting. Here the perpetrators shot him. The 77-year-old died in front of the shop, which he wanted to protect from the mob. The sympathy in the USA is very high. German police colleagues also regret this senseless death. However, one of his sons said: “If my father had to die, it would be like this. He wanted to help and protect. That was his life. "

Dienstag, 2. Juni 2020

Minneapolis - Die Menschenwürde mit dem Knie verletzt


Auf der Polizeischule habe ich gelernt, dass jeder Mensch eine Würde hat, für immer. Auch der schlimmste Verbrecher. So steht es in unserer Verfassung, dem Grundgesetz. In diesem Fall wurde die Menschenwürde mit den Füßen getreten, exakt mit dem Knie eines amerikanischen Polizisten aus Minneapolis.

Die Chronologie des Geschehens macht sprachlos, festgehalten in einem Video der „New York Times“. Vor den Augen der Öffentlichkeit, noch schlimmer vor den Augen von Polizeibeamten, wird ein auf dem Asphalt liegender Mensch (46) mit dem Knie erwürgt.
Foto aus dem Video - Screenshot "New York Times"
Von einem weißhäutigen Polizisten. Ein Gericht müsste zum Schluss kommen, dass der Beamte der Polizei Minneapolis vorsätzlich gehandelt hat. Wahrscheinlich wollte er ihn nicht töten, aber seine brutale Körperverletzung hatte den Tod von George Floyd zur Folge. Das dunkelhäutige Opfer leistete keine Gegenwehr, betonte seine Luftnot und rief in seiner Verzweiflung nach seiner Mutter („Mama, Mama“). Außerdem war er gefesselt, nahezu wehrlos. Drum herum stehen Beamte, ohne Anstalten zu machen, diesen menschenverachtenden Vorgang zu beenden. In Deutschland gibt es dafür einen Straftatbestand. Er heißt: Handeln durch Unterlassen. M. E. hätten die Cops eingreifen müssen, zumindest nach hiesigem Recht, weil sie eine Garantenstellung haben.

Als Ex-Polizist schäme ich mich für so ein Verhalten, unabhängig von den fatalen Folgen dieser brutalen Tat in fast allen Großstädten der Vereinigten Staaten, die Derek Chauvins ausgelöst hat. Er wurde später festgenommen, sitzt in Haft und soll sogar wegen Mordes angeklagt werden.

Am Rande:

Der Präsident der USA, Donald Trump, reagierte ohne Herz und Verstand auf die Tat und die Vorkommnisse danach, kommentierte heute in der NRZ der US-Korrespondent der Funke Medien Gruppe, Dirk Hautkapp.

Die Frau des festgenommen Polizist hat die Scheidung eingereicht, berichten US-Medien.

Die New York Times hat das Tatgeschehen in einem sehenswerten Video veröffentlicht: https://www.youtube.com/watch?v=vksEJR9EPQ8