Montag, 2. März 2020

Kriminalität in NRW 2019

Innenminister Herbert Reul informiert die Öffentlichkeit

Gesamt

 […]  Die Zahl der in der Polizeilichen Kriminalstatistik registrierten Straftaten sank 2019 um 4,3 Prozent auf 1.227.929 (1.282.441). Das ist der niedrigste Wert seit 30 Jahren.

Aufklärungsquote

654.798 Fälle wurden von der Polizei aufgeklärt, was einer Aufklärungsquote von 53,3 Prozent entspricht.

Gewalttaten

[…] Die Polizei registrierte 2019 weniger Gewalttaten (- 2,4 Prozent) und Straßenkriminalität (- 6,8 Prozent).

Wohnungseinbrüche

So sank die Zahl der Wohnungseinbrüche in Nordrhein-Westfalen 2019 auf 26.857 Fälle (-10,2 Prozent)

Tötungsdelikte

[…]  Zum zweiten Mal in Folge registriert die Polizei allerdings einen Anstieg bei den Tötungsdelikten. 412 Fälle waren hier im vergangenen Jahr zu verzeichnen. Das sind 30 mehr als 2018.

Sexueller Missbrauch von Kindern

[…] 2019 wurden 2.805 Fälle des sexuellen Missbrauchs von Kindern erfasst[…] Die Aufklärungsquote betrug 83,7 Prozent, die höchste der letzten 20 Jahre. Insgesamt wurden 2.131 Tatverdächtige ermittelt.

Kinderpornographie

ImBereich Kinderpornografie wurden im vergangenen Jahr 2.359 Fälle erfasst,

947 Fälle mehr als im Vorjahr (+ 67,1 Prozent). 2.199 Fälle wurden aufgeklärt, das entspricht einer Quote von 93,2 Prozent.

Drogen

[…] Bei Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz verzeichnet die Kriminalstatistik eine Steigerung um 1,6 Prozent. Mit 68.872 Delikten ist das der höchste Stand der letzten 20 Jahre. Der Anstieg betrifft vor allem Cannabis und Kokain.
Ausländerkriminalität

[…]  Von den 447.847 Tatverdächtigen im vergangenen Jahr hatten 154.389 Menschen keinen deutschen Pass. Das waren rund ein Drittel aller Tatverdächtigen. Der Anteil der Ausländer an der Gesamtbevölkerung (knapp 18 Millionen) im Land beträgt aber lediglich 13,3 Prozent. Der Anteil der Zuwanderer - also Asylbewerber, Asylberechtigte, Menschen, die geduldet sind und Kontingentflüchtlinge - an den Tatverdächtigen insgesamt beträgt 8,5 Prozent. Bei der Gewaltkriminalität beträgt ihr Anteil sogar rund 12,7 Prozent, obwohl ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung nur bei etwa 2,5 Prozent liegt.


Das Foto zeigt den NRW-Innenminister am „Tag der offenen Tür“ anlasslich des 110-jährigen Bestehens der Essener Polizei 2019



Den vollständigen Pressetext mit polizeilicher und politischer Beurteilung gibt es hier:


Sonntag, 1. März 2020

Alexander Nübel - Fußballtragik eines jungen Mannes


Ein Fußballtorwart kann zum Helden oder zu einer tragischen Figur werden. Wir erleben es zurzeit „auf Schalke“. „Toni, Du bist ein Fußballgott“, schrie der Reporter Herbert Zimmermann 1954 ins Radiomikrofon. Deutschland wurde Weltmeister. Jahre später. Die Experten wählten Manuel Neuer dreimal zum Welttorhüter. Helden! Der letzte Mann auf dem Fußballplatz entscheidet häufig über Sieg oder Niederlage. Seine zehn Vorderleute dürfen Fehler machen. Die Auswirkungen sind meist nicht so spielentscheidend. Aber der Torwart? Ein Fehlgriff entscheidet oftmals über Sieg oder Niederlage.


Wir erleben gerade, wie ein junger Torwart zu einer tragische Figur im Fußballgeschäft wird. Gestern Abend nach dem Spiel in Köln, das 3:0  verloren ging, hatte er Tränen in den Augen. Dabei verlief seine Karriere bisher steil bergauf. Der 23-Jährige fiel vor Jahren den Scouts beim  „kleinen“ Bundesligisten FC Paderborn, seinem Geburtsort, auf. Er wechselte schon kurz danach zum Traditionsverein FC Schalke 04. Und hier gelang im ebefalls etwas Ungewöhnliches. Er verdrängte den Stammtorwart. Alle glaubten, hier in Gelsenkirchen wächst der neue Welttorwart heran.

Dann der sportliche Schock in der laufenden Saison. Alexander Nübel gibt seinen Wechsel zum Spitzenclub Bayern München bekannt. Beginn der Tragik.

Dort steht noch der genannte Welttorhüter Manuel Neuer, auch ein Ex-Schalker, zwischen den Pfosten. Alle fragen sich, was Nübel dort jetzt schon soll? Sind es die Euro-Millionen? Er wird dort zunächst auf der Ersatzbank Patz nehmen müssen.

Die Fans des blau-weißen Clubs sind sauer auf den jungen Mann. Verständlich. Aber sie halten sich mit öffentlichen Schmähungen noch zurück. Die sind in den Stadien nicht unüblich. Gerade in den legendären Kurven. Der Paderborner bleibt für den Schalke-Trainer die Nummer 1. Nur einmal durfte er nicht auf den Rasen, als er nach einem üblen Foul für drei Spiele gesperrt wird. Sein Ersatzmann patzt danach ebenfalls. So kommt Alexander nach Ablauf der Sperre wieder ins Tor. Und er macht Fehler. Ist der Druck zu groß? In den Foren des Internets  wird jetzt öffentlich seine Ablösung gefordert und gepöbelt.

Gestern der tragische Höhepunkt. Das Spiel gegen den FC Köln war schon längst verloren, als 10 Minuten vor Schluss dem Keeper Nübel ein ganz leichter Torschuss durch die Hände flutscht und er sich den Ball danach durch die Beine hinter die Linie haut. Slapstick nennen das die Kommentatoren. Die mitgereisten Schalke-Fan pfeifen ihren Torwart aus und skandieren: Nübel, raus! Nübel, raus!

Nach dem Schlusspfiff ist der so Gescholtene ganz alleine. Seine Augen sind feucht. Wird ihm jetzt erst bewusst, was in den letzten Wochen passiert ist, trotz der tröstenden Umarmungen seiner Mitspieler?


Die Causa „Nübel“ hat ihren tragischen Höhepunkt erreicht. Ich wünsche dem jungen Mann, dass er aus diesem tiefen sportlichen und menschlichen Tal hinauskommt. Seine Berater, die den Deal mit dem bayrischen Club eingefädelt, abgeschlossen und sich bestimmt auch einiges vom Millionenkuchen in die Tasche gesteckt haben, sollten sich schämen. 
P. S. Ich denke an Robert Enke.

Corona - Mieke hat keine Angst davor

Heute wollte mir Mieke (links im Bild) im Hundertwasser Haus der McDonald’s Kinderhilfe zeigen, wie gut sie mit ihren 9 Jahren schon lesen kann. Wir haben uns eine Essener Tageszeitung geschnappt und Seite für Seite durchgeblättert. Plötzlich sagte sie:“ Schau mal, wie oft das Wort Corona vorkommt?“ Sie hat es insgesamt in sieben (!) Überschriften gefunden. „Meine Oma hat mir gesagt, dass das Virus gar nicht so gefährlich ist. Wir sollen keine Angst haben.“ Ich war baff, so etwas von einem Kind zu hören. Mieke wurde fast sieben Wochen im Westdeutschen Protonentherapiezentrum (WPE) bestrahlt. Hinzu kam eine „Chemo“. Heute war ihr letzter Behandlungstag. Ihre Eltern, ihre zwei kleineren Geschwister, die Krankenschwestern und Ärzte waren dabei, als sie im WPE die Glocke läuten durfte. Dieses schöne Ritual gilt für alle kleinen Patienten nach der letzten Bestrahlung. Und sie bekommen noch eine Urkunde für Stärke und Tapferkeit. Danke Mieke dass Du mir die Angst genommem hast.

Mittwoch, 19. Februar 2020

Zum 1. Todestag von Karl Lagerfeld

Vor einem Jahr starb Karl Lagerfeld. An den exzentrischen Modemacher erinnern heutige viele Medien.
Bei jedem Zeitungsartikel schaue ich zunächst auf das beigefügte Foto. Denn nur die Kombination von Text und Foto machen einen guten Artikel aus. Auch die Gesamtausgabe einer Zeitung wird so geprägt. Bei manchen Fotos brauche ich gar nicht auf die Bildunterzeile zu gucken, weil der Fotograf oder die Fotografin ein so ausdrucksstarkes Foto abgeliefert hat. Die Essenerin Kerstin Kokoska ist für mich so eine hervorragende Fotografin. Ihre ausdrucksstarken Bilder erkenne ich meist sofort.
Heute zum ersten Todestag von Karl Lagerfeld bildet die NRZ-Redaktion den Verstorbenen als Pappmaschéfigur mit Schnuller (Foto) für den Karneval in Nizza ab.
Das mag ja zum Karneval in Ordnung sein, allerdings nicht zum Jahresgedenken an einen Verstorbenen. Ich finde die Fotoauswahl nicht nur pietätlos, sondern auch absolut misslungen.
Karl Lagerfeld war neben seiner Modekunst auch ein ausgezeichneter Fotograf. 30 Bildbände sind in seiner Schaffenszeit mit seinen Fotos erschienen. Vielleicht hätte ihn die Bildauswahl zum heutigen NRZ-Artikel besonders geärgert.
Ein formidabler Fotograf ist auch Peter Wieler, der Karl Lagerfeld 2014 auf der Pressekonferenz anlässlich der Ausstellung „Parallele Gegensätze – Fotografie – Buchkunst – Mode“ im Folkwangmuseum fotografiert hat. Sein Foto möchte ich deshalb zum Gedenken an Karl Lagerfeld zeigen.

Geburtstag

Bei der Durchsicht alter Familienalben fand ich gestern das Foto meiner Mutter. Zu dem Zeitpunkt war sie es allerdings noch nicht. Es zeigt Katharina Distelrath im Alter von 19 Jahren, so ihr Mädchenname, mit ihrem damaligen Verlobten in Borken/ Westfalen. Auf der Rückseite steht: „Dir lieben Käthe gewidmet, Dein Erich. Am Tage Deines Geburtstages am 9. Januar 1941.“ Die Beiden wurden kein Ehepaar, denn Erich fiel als junger Soldat schon kurz nach dieser Aufnahme.

Und so heiratete Katharina meinen Vater Walter Klein nach dem Krieg, einen Flüchtling aus Ostpreußen und bekam in den Folgejahren innerhalb von fünfeinhalb Jahren vier Jungs. Ich war der letzte in der Reihe und kam in der Nacht von Rosenmontag auf Faschingsdienstag in einem Krankenhaus in Gelsenkirchen-Buer auf diese Welt – vor 67 Jahren. Katharina starb 2010 im Alter von 89 Jahren. Hut ab vor dieser Lebensleistung.  Danke für die gestrigen Geburtstagswünsche.

Freitag, 7. Februar 2020

Atze Schröder

Man kennt Atze Schröder meist lustig. Kein Wunder er ist Komiker. Gestern Abend sprach er ganz offen über die Trauer nach dem Tod seines Vaters bei "Lanz“ im ZDF. Sein Auftritt folgte nach dem Interview einer Überlebenden im Vernichtungslager Auschwitz und deren Tochter. Die Last der schlimmen Ereignisse, die auf der Familie nach der Befreiung lag.
Der Komiker nahm den Faden zum Thema später auf. Er erzählte über sein gutes Verhältnis zu seinem Vater, über die Selbstmorde seiner Onkel. Es fällt ihm schwer. Er weint. Dann der entscheidende Satz: "Mein Vater hat Schlimmes getan." Seine Stimme versagt. Und das ist nicht die Stimme der Kunstfigur Atze Schröder, sondern seine eigene hinter der Maske.  Am Ende steht der in Essen geborene 58-Jährige auf und entschuldigt sich bei der alten Dame: „Wir dürfen das nie vergessen.“ Eine emotionale Sternstunde des Fernsehens. Danke, Atze Schröder, in diesen Zeiten.

Montag, 3. Februar 2020

Selma und Anne


Das Tagebuch der Anne Frank wurde ein Welterfolg, das Museum in Amsterdam von vielen Menschen besucht. Vor 75 Jahren starb Anne im Alter von 17 Jahren. Ihr genauer Todestag im Konzentrationslager Bergen-Belsen ist nicht bekannt. Die Jugendliche wurde zum Symbol für die Gräueltaten der Nazis und Mahnung für nachfolgende Generationen.
Selma rechts im weißen Kleid mit ihrer Freundin Else

Ich möchte an eine andere nicht so bekannte  junge Frau erinnern. Auch sie wurde von den Nazis ermordet. Ihr Name: Selma Meerbaum-Eisinger.„Das ist das Schwerste: sich verschenken und wissen, dass man überflüssig ist, sich ganz zu geben und zu denken, dass man wie Rauch ins Nichts verfließt.“ Selma wurde nur 18 Jahre alt und starb 1942 im Arbeitslager Michailowka (Ukraine). Ein Jahr später lösten die deutschen Besatzer das Lager auf und erschossen alle Häftlinge.
57 Gedichte von Selma Meerbaum-Eisinger, die sie ihrem ein Jahr älteren Freund, ihrer ersten Liebe, widmete, konnten gerettet werden und gelangten nach Israel. Sie tauchten in den 1960er-Jahren in der DDR auf.
Der niederländische Liedermacher Herman van Veen und seine Gitarristin Edith Leerkes vertont einige von ihnen und trugen sie 2005 in der alten Synagoge in Essen vor. Danach wurden die Gedichte von vielen bekannten deutschen Künstlern, wie Reinhard Mey, Ute Lemper, Inga Humpe, Sarah Connor u. a. musikalisch interpretiert. (Selma – In Sehnsucht eingehüllt)
Mit 17 Jahren schrieb Selma in roter Schrift in ihren Gedichtband „Blütenlese“: „Ich habe keine Zeit gehabt, zu Ende zu schreiben“.