Montag, 16. November 2015

Filmpremiere „Herr von Bohlen“



Dieser Beitrag passt zu meinem Rentnerblog „wie Arsch auf Eimer“. In dem Film, der gestern im Essener ASTRA seine Kinopremiere hatte, geht es um einen Rentner. Arndt von Bohlen und Halbach -  der letzte Spross der Krupp-Dynastie, von der damaligen Boulevardpresse als nutzloser, teurer, fauler, schwuler Paradiesvogel bezeichnet,  mit einer jährlichen „Betriebsrente“ von 2 Millionen DM ausgestattet.
Im jetzigen Film „Herr von Bohlen – privat“ wird Arndt von Bohlen in einer Mischung von Archivaufnahmen, Interviews mit Zeitzeugen und Spielszenen von einer ganz anderen Seite gezeigt.
Mein Urteil: Ein wunderbarer „anderer“ Film vom Regisseur André Schäfer und mit einem formidablen Hauptdarsteller Arnd Klawitter. Das Premierenpublikum im ausverkauften ASTRA dankte dem Team mit tosendem Applaus.

Also, rein ins Kino, ab dem 19.11.2015 startet der Film „Herr von Bohlen – privat“




Der schauspielerische „Rentner“  Arnd Klawitter mit mir, dem richtigen Rentner, nach der gelungenen Filmpremiere (Foto: © Armin Thiemer)




Der Regisseur André Schäfer mit seinem Hauptdarsteller Arnd Klawitter


Weitere Fotos von der Filmpremiere








Mittwoch, 11. November 2015

WC-Literatur



Es gibt Tabuthemen. Besonders die aus dem gekachelten Raum der Wohnung. Vor vielen Jahren wurde in einem Kreis von führenden Polizeibeamten und Journalisten dieses Tabu gebrochen. Es drehte sich standesgemäß um „die großen Geschäfte“. Ich war dabei. Der Vize-Präsident berichtete, dass in seiner Familie immer ein Atlas am Klo lag. So lernte er und seine Geschwister die Welt kennen. Comics und Zeitungen gehörten zum Lesestoff. Die BILD-Zeitung eignete sich besonders zur Ablenkung, so ein Journalist, hatte er sie doch in einer Sitzung durch. Andere beschäftigten sich mit Kreuzworträtsel.  Ein Jüngerer überbrückte die Zeit der Erleichterung mit seinem „Nintendo“. Aber nur solange, bis Mutter klopfte und fragte, ob alles in Ordnung sei.
Übrigens so die einhellige Meinung der Gesprächsrunde: Jungs und Männer halten sich länger auf dem stillen Örtchen auf. Gibt’s Gründe? 
Ich frage mich heute noch, wie wir das in meiner Familie geschafft haben. Nur ein Bad mit WC für Eltern mit vier Jungs. Wir mussten oft zur gleichen Zeit in die Schule und Vater zur Arbeit. Es klappte nur im Akkord. Ich habe noch das Klopfen meiner Brüder im Ohr: "Beeil Dich!" Da war nix mit Lesen.

Jetzt habe ich auf einem WC die Ausgabe eines Grundgesetzes entdeckt. Ich finde, unsere Verfassung müsste zur Pflichtlektüre auf diesem Ort werden und schlage  eine Erweiterung des Artikels 5 (Informationsfreiheit) GG vor. Wird wohl an der Zweidrittelmehrheit scheitern.


Montag, 9. November 2015

Die Synagoge brannte – Feuerwehr und Polizei sahen zu




Am 9.11.1938 brannten in Deutschland die jüdischen Synagogen, jüdische Geschäfte wurden demoliert, Deutsche, jüdischen Glaubens, gefoltert, verschleppt und ermordet. Auch in Essen war der Nazi-Mob unterwegs und die Menschen sahen zu.  

Peter Freses, vor 77 Jahren als junger Polizist Fahrer des Polizeioberst Heimburg, berichtete 1988 in der WAZ eindrucksvoll, was in der Pogromnacht geschah. „Die Polizei und die Feuerwehr durften nicht eingreifen, überall wüteten SA und SS.“

Leider hat die Essener Polizei in der über 100-jährigen Geschichte ihre Rolle in  der Nazi-Zeit als Teil der Terrorherrschaft nie aufgearbeitet. Auch die Stadtverwaltung in Essen ließ lange Jahre nach dem Krieg jegliches Geschichtsinteresse vermissen. Die Synagoge, die im Krieg keine weiteren Schäden erlitt, blieb lange Jahre als Ruine stehen. 77 Jahre nach der Pogromnacht ist sie wieder hergerichtet. Sie ist Kulturdenkmal, Gedenk-/ Begegnungsstätte. Und darüber hinaus eines der interessantes Gebäude von Essen.




Die Synagoge 1947 blieb als Ruine in der völlig zerstörten Essener Innenstadt jahrlang unrenoviert stehen. Das Foto (Reproduktion)  stammt aus dem Buch „Gestern Synagoge – Alte Synagoge heute“ (©Herausgeber: Alte Synagoge)


 Die Polizei steht fast ständig zum Schutz vor dem Gebäude.


 Eines der interessantesten Gebäude der Stadt

Sonntag, 8. November 2015

Derbytag




Schon gestern feierten rund 3500 Fans beim Abschlusstraining ihre Mannschaft „auf Schalke“. Einen Tag vor dem Derby aller Derbys hüllten sie das Trainingsgelände in einen Ort „der 1000 Feuer“.  Aus Sicht der beiden Lager heißt das Spiel: Herne-West gegen Lüdenscheid Süd. Gespielt wird in der „verbotenen Stadt“. Nicht in China, sondern in Dormund, 42 Kilometer Luftlinie östlich von Gelsenkirchen.
Ich bin in der Gelsenkirchen-Buer geboren und habe dort vor 43 Jahren eine „Schalkerin“ geheiratet, eine Leichtathletin. Frauenfußball gab es noch nicht.  Als Kinder durften wir für „lau“ auf Schalke. Die Polizeieinsatzkräfte versteckten uns Polizistenkinder in ihren Mannschaftswagen und schmuggelten uns so kostenlos in die Glückaufkampfbahn. Wenn es durch das Tor ging, hieß es: „Los, ducken!“ Und wir machten uns noch kleiner als wir sowieso schon waren und lagen zu Füßen der Polizisten auf dem Bodenblech. Aus mir konnte doch nur ein „Schalker“ werden. Vor 35 Jahren zog ich nach Essen. Ich mag die Stadt, mein „Fußballherz“ blieb allerdings 30 Kilometer nördlich zurück. „Blau und Weiß ein Leben lang“, heißt der Vereinsslogan. Im Vereinslied wird noch eins drauf gesetzt: „Blau und Weiß, wie lieb ich dich“.

So hoffen wir Königsblauen heute auf einen Sieg im Derby aller Derbys. Und wenn es nicht klappt. Auch nicht tragisch. Es folgen ja noch so viele, mindestens zwei pro Saison, FC Schalke 04 gegen Ballspielverein Borussia 09 e.V. Dortmund. Außerdem – es ist doch nur ein Fußballspiel. Oder?




Der Beweis "Meine" Schalkerin" - vor etwa 45 Jahren. In Abwandlung des Zitats, "Ach was, ich liebe keine Staaten, ich liebe meine Frau; fertig!", von Gustav Heinemann (Essener Bundespräsident):“ Ich liebe keine Vereine, ich liebe meine Frau, fertig.“



"Blau und Weiß, wie lieb' ich dich" (gesehen 2010 bei Spiel S04 gegen Werder Bremen)


Dienstag, 3. November 2015

Der „unperfekte“ Unternehmer





Kennt ihr Reinhard Wiesemann? Die meisten würden die Frage eher mit Nein beantworten. Reinhard Wiesemann ist Kreativ-Unternehmer und Gründer des Unperfekthauses und des Mehrgenerationenhauses in der Essener City. Er unterstützte die Renovierung der Kreuzeskirche mit einem hohen sechsstelligen Geldbetrag und hauchte dem maroden Gotteshaus neues Leben ein. Der 55-Jährige kauft Immobilien in der nördlichen Innenstadt und gestaltet sie nach seinen Vorstellungen um.

Das Viertel galt lange nach dem Polizeigesetz als sog. „Gefährlicher Ort“. Die Zeiten sind vorbei, der Aufschwung ist sichtbar. Hier lohnt es sich (wieder) zu leben. Ich bin oft dort. Zumal ich in den 1970er-Jahren meine ersten Polizeischritte von der „Gerlingwache“ aus dort gemacht habe. Ein bisschen Heimat. Und eins weiß ich jetzt schon. Sollte ich einmal alleine sein, werde ich ins Mehrgenerationenhaus einziehen.

Jetzt bekommt Reinhard Wiesemann den Ehrentitel „Bürger des Ruhrgebiets 2015“ verliehen. Da hat sich der Verein „pro Ruhrgebiet“ genau den Richtigen ausgesucht. Von diesen „unperfekten“ Menschen müsste es mehr geben. Glückwunsch Reinhard Wiesemann.




 Heilig ist er noch nicht. Reinhard Wiesemann bei der Neueröffnung der Kreuzeskirche im letzten Jahr.

Montag, 2. November 2015

Herbst...



Hatten wir schon einmal so einen schönen Herbst? Ich kann mich nicht daran erinnern. Und das schon sechs Jahrzehnte lang. Viele Herbstfotos machen jetzt die öffentliche Runde hier im Netz. Dann will ich mich mal anschließen. Die beiden Fotos habe ich gestern am Niederrhein in Xanten-Wardt "geschossen".

Dazu passt das Lied „Autumn Leaves“ der leider viel zu früh verstorbenen Eva Cassidy https://www.youtube.com/watch?v=U2AKwu_jWrg
 Bekannt wurde die amerikanische Sängerin erst nach ihrem Tod, als ein britischer Radiosender ihre Version von „Over the rainbow“ spielte und viele Zuhörer nach dieser glockenklaren Stimme fragten. Sie starb mit 33 Jahren. Und ihre Version steht auf der „Playlist“ meiner Beerdigung. Dauert allerdings noch ein bisschen…


 Herbstimpressionen in Xanten - Wardt