Sonntag, 1. Februar 2026

Polizeigeschichte(n) - Vom Wachtmeister "Wimmelmann" zur Künstlichen Intelligenz

 Wachtmeister „Wimmelmann“. In Polizeikreisen war dies früher die Bezeichnung für Beamte, die das Schreiben möglichst mieden, sei es mit Stift oder an der Schreibmaschine. Solche Beamte erklärten dem Bürger gerne, dass eine Anzeige wenig Sinn habe oder verwiesen ihn an eine andere Dienststelle. Diese Gespräche dauerten oft länger als das Verfassen einer kurzen Anzeige oder eines schriftlichen Vermerks. Man muss vielleicht entschuldigend sagen, dass viele Polizisten in den Nachkriegsjahren aus handwerklichen Berufen kamen, in denen das Schreiben keine große Rolle spielte. Dafür besaßen sie andere Qualitäten, besonders körperliche im Gegensatz zur heutigen Polizeigeneration.

Nach dem Krieg bis in die 1980er-Jahre lag auf jeder Wachtheke, streng bewacht von dem Wachhabenden, das sogenannte Tätigkeitsbuch oder Wachbuch. Dort hinein wurden polizeiliche Vorfälle – kleinere Verkehrsunfälle, Randalierer, Bodenfunde, Straßenunfälle und Ähnliches – handschriftlich festgehalten. Die Handschrift der Polizisten war auffällig ordentlich; eine Schönschreiben-Note „gut“. Ältere Generationen wurden noch im „Schönschreiben“ Griffel und Füllfederhalter gedrillt – in der Schule und von den Eltern. Mütter wischten den Kindern die Schiefertafel sauber, wenn das gekreidete A, B, C nicht gefiel, und forderten: „Neu schreiben“. Aus den Schulheften wurden auch schon mal Seiten herausgerissen, mit dem Hinweis: „Das kannst du besser.“


Tätigkeitsbuch lag stets beim Wachhabenden
 

Mit der Zeit verlor die ansehnliche Handschrift ihren ästhetischen Wert. Das Zeitalter der „Sauklaue“ mit Kugelschreiber und Tintenkiller begann.

Polizeischüler mussten sich an die Schreibmaschine gewöhnen. Sie lernten das Zehnfingersystem: A, S, D, F, ping – J, K, L, Ö, ping. Trotzdem beherrschten die meisten Polizisten eher das Zweifingerschnellverfahren. Bei den leeren Vordrucken und Formularen musste man kräftig die Tasten anschlagen, um bis zu sieben Blatt Papier mit sechs Blaupapierbögen dazwischen, zu „bearbeiten“. Das „O“ hinterließ im Anzeigentext manchmal sogar ein Loch. Und wehe, man hat sich verschrieben, dann hieß es radieren und neu einspannen.

Um den Schreibprozess auf den Wachen zu beschleunigen, wurden in den 1990er-Jahren Schreibkräfte eingestellt. Der Polizist diktierte ins Aufnahmegerät, die Angestellte übertrug den Text in die Schreibmaschine. Die Politik war stolz auf diese Errungenschaft, denn die Beamten konnten sich mehr auf das Wesentliche ihrer Aufgabe konzentrieren. Allerdings dauerte der Vorgang auf dem Dienstweg dadurch oft länger, denn die getippte Strafanzeige oder Verkehrsunfallanzeige musste letztlich von dem Beamten unterschrieben werden. Auch wenn der schon Feierabend hatte. Dann eben am nächsten oder übernächsten Tag.

 

Die gute, alte Olympia - daneben der Drogentest

Anfang bis Mitte der 1990er-Jahre begann das Zeitalter der Personal Computer (PC) bei der Polizei. Höhepunkt der Zuweisungen war der EU-Gipfel 1994, bei dem etwa 8.000 Polizisten in Essen Dienst versahen. Es wurde wieder geübt: Wie schreibe und sende ich eine E-Mail? Im Zeitalter von Faxgeräten ein Wunder. Die wenigsten konnten zunächst mit der Digitalisierung umgehen, für viele ältere Polizisten war das eine große Herausforderung. Begriffe wie herunterfahren, speichern oder booten waren Fremdwörter. Es wurden in den Behörden Ausbildungsplattformen eingerichtet. Das gedachte Papiersparen war allerdings ein Irrglaube. Eine Kollegin zog nach Dienstschluss stets den Stecker aus der Steckdose, weil der Computer sonst nicht ausging, sagte sie. Die jüngeren Beamten hingegen waren sofort dabei. Gab es doch mittlerweile das Schulfach Informatik. 

Der PC stand später auf jedem Schreibtisch

 

Heute fliegen die Finger – oft nur die Daumen – der Laptop-Polizisten über die Tasten. Elektronische Programme und „Plug and Play“ erleichtern die Arbeit enorm. Es bleibt spannend, was die Künstliche Intelligenz in Zukunft im Bereich des polizeilichen Schreibens noch alles möglich macht.

Ein Blick in die alten Tätigkeitsbücher zaubert heute immer noch ein Lächeln auf die Lippen. Manch handschriftlicher Eintrag endete mit der Formulierung: „Der Betroffene wurde ortsüblich belehrt.“ Aber das ist eine andere Geschichte. 

Tipp: Polizeimuseums Essen - Infos: www.ipa-essen.de - kostenlos

 

 

 

 

Montag, 14. Juli 2025

Das endgültige Aus für die „alte Polizeischule“

 

Der Denkmalschutz ist aufgehoben und hat grünes Licht für die Bagger gegeben.  Die WAZ und NRZ in ihren Lokalausgaben berichten am Wochenende.

Rückblick: Gebaut wurde die Liegenschaft Anfang der 1930 Jahre im Bauhausstil als Unterkunft für Hundertschaften, Polizeireiter, Polizeikrankenhaus und anderen kleineren Einheiten. In einem länglichen Nebenbau zur Straße hin wohnten Polizeifamilien. Nach dem Krieg hieß die Liegenschaft Landespolizeischule für Technik und Verkehr (LPS TuV). Später wurden hier Polizeischüler als Außenstelle der Bereitschaftspolizei Bochum unterrichtet. Aber auch andere Dienststellen waren dort „oben auf dem Berg“, wie anfangs die Essener den Bereich nannten, untergebracht. Zum Ende und vor dem Auszug waren die Gebäude Heimstatt für Spezialeinheiten, Diensthundstaffel, verschiedene Kripo- und Verwaltungsdienststellen.  Auch ein Hubschrauberlandeplatz sowie eine Kraftfahrzeugwerkstatt gehörten zum Gelände. Ein idealer Standort.

Die Polizeiunterkunft im Bauhausstil 

 Anfang 2000 wurden die staatlichen Baubehörden in NRW aufgelöst. Alle Immobilien gingen in den Bestand des Bau- und Liegenschaftsbetrieb (BLB) über. Wir erinnern uns. "Privat vor Staat“, lautete das Motto.  Der BLB tummelte sich nun im Millionen-Haifischbecken der Branche. Skandale in eigenen Reihen blieben nicht aus.

Während der Bauphase 1930 - 1934

 Die Liegenschaft an der Norbertstraße 165 gammelte vor sich hin. Bis hin zum Legionellenbefall im Wassersystem. „Die Toilettenspülung erfolgte mit warmen Wasser“, spotteten die Polizisten. Nichts bzw. nur das Notwendigste wurde investiert. Schon damals machte sich in der Polizeibehörde das Gerücht breit: „Das ist ein Spekulationsobjekt in Bredeney. Bald sind wir hier raus.“ Und so kam es.

 

Skizze von Harry Cichon - als Kind in der Unterkunft groß 

 
2020 der Aus- und Umzug aller Dienststellen in ein anderes denkmalgeschütztes Areal in Wurfweite. In ein Gebäude der ehemaligen Karstadt-Hauptverwaltung kamen rund 1000 Polizeibedienstete unter.  Eine logistische Herausforderung. Viele Dienststellen wären lieber in der alten Polizeischule geblieben.  Eine Diensthundeführerin: „Jetzt müssen wir unsere Hunde in einer Garage unterbringen. In der alten Polizeischule waren wir im Grünen. Unsere vierbeinigen Kollegen hatten genügend Auslauf.“ Auch für die Spezialeinheiten war das zum Teil ein ideales Übungsgelände. 

 Nach einigen Jahren Leerstand kaufte die RAG-Stiftung die Gebäude samt Gelände. Gerüchteweise sollen 25 Millionen Euro geflossen sein.  Das Areal stand immer noch unter Denkmalschutz. Ein Streit zwischen kommunaler Denkmalbehörde und Denkmalpflege im Landschaftsverband Rheinland begann. Offensichtlich setze sich die untere Denkmalbehörde durch.  Was genau mit dem Gelände geschieht, steht noch in den Sternen, schreibt die Zeitung.

Der ehemalige Polizeipräsident von Essen und Düsseldorfm Michael Dybowski: „Die Entscheidung beweist wieder einmal, wie es um das historische Wissen in der Stadt Essen aber auch im Land NRW bestellt ist. Das Gelände und die Gebäude sind nicht nur bauliches Denkmal, sondern auch historisches Denkmal. Hier waren nicht nur nach längerem Barackendasein im Segeroth die Essener Einsatzeinheiten angemessen untergebracht, sondern wurden auch zu Beginn des Krieges drei Polizei-Ersatz-Bataillone aufgestellt, die dann in den besetzten Gebieten im Westen wie im Osten ihr Unwesen trieben. Mit der Aufgabe des Geländes durch das Land NRW hat sich dieses bereits unrühmlich (auch hinterhältig?) aus der Affäre gestohlen.

Was genau mit dem Gelände geschieht, steht noch in den Sternen, schreibt die Zeitung. Fest steht allerdings, dass mit dem Ende des Denkmalschutzes auch ein Teil der Essener Stadtgeschichte, der Polizeigeschichte und der Ideologie des Bauhausstils für alle Zeiten verschwinden.

Persönliches: 1969 habe ich dort meine Aufnahmeprüfung zur Polizei gemacht, 1976 Teil meiner Ausbildung zum gehobenen Dienst für 1 Jahr, 1978 bis 1986 beim SEK. Als Leiter der Pressestelle (1986 bis 2007) unter vier Polizeipräsidenten wurde ich immer wieder mit unserer Polizeischule konfrontiert. Nach der Pension engagierte ich mich dort oben bei der International Police Association (IPA) mit dem Polizeimuseum. Mir „blutet“ mein Polizeiherz.

 Fotoimpressionen:

 









































 

 

Freitag, 9. Mai 2025

Beim Konzert - ausziehen, ausziehen


Kennt ihr solche Situationen? Bin ich jetzt im falschen Film oder soll ich von der versteckten Kamera veräppelt werden?
So etwas passierte uns gestern beim Eintritt in den Vorführraum der Düsseldorfer Tonhalle. Wichtig dabei ist unser Outfit (siehe Fotos). Ich, dunkle Hose, Unterziehrolli und Jeansjacke. Eindringlich werden meine Frau mit Jackett im Leopardenmuster und ich von der Platzanweiserin aufgefordert, die Jacken an der Garderobe abzugeben. In meiner dünnen Cowboyjacke hatte ich schon Schwierigkeiten, notwendige Dinge zu verstauen. Fahrzeugpapiere, Kreditkarte, Personalausweis und Fahrzeugschlüssel. Wo sollte ich damit ohne Jacke hin? Ab in die Hosentaschen oder in der Hand halten. Dann wäre Applaus nicht mehr möglich gewesen.
 


Sie: „Wenn Sie die Jacke an der Garderobe nicht abgeben wollen, dürfen Sie sie im Saal nicht ausziehen!“
Ich: „Habe ich auch nicht vor?“
Sie: „Aber wenn Sie die Jacke ausziehen, muss ich Sie aus dem Saal verweisen!“
Ich: „Aus welchem Grund?“
Sie: „Aus Brandschutzgründen!“
Ich: „Ich will sie doch gar nicht ausziehen.“
Sie: „Das weiß man vorher nie.“
Ich: „Wir möchten jetzt unsere Plätze einnehmen.“
Sie: „In Ordnung, aber die Jacke bleibt an!“
 
 
Im Rang ging die Diskussionen über die "Anweisung von oben", wie ich von der Frau noch hörte, kopfschüttelnd weiter. Der unwissende Hintermann hatte sein Jackett auf dem Schoß. Er stand also laut Mitarbeiterin kurz vor dem Rausschmiss. Und später zogen noch einige rings um uns herum ihre Jacken aus. Allerdings ohne Folgen. Was bleibt. Dinge gibt’s, die gibt’s gar nicht.
 
Anmerkung: Konzert Herman van Veen – „achtzig“

Donnerstag, 10. April 2025

Vor 80 Jahren - Zwangsarbeiter durch Fliegerangriff getötet

Essen-Schuir: Haben die amerikanischen Piloten die 3000 Zwangsarbeiter, Männer, Frauen und Kinder, in ihren blauen Drillich-Anzügen am 9. April 1945 nicht erkannt, als sie ihre Bordkanonen abfeuerten? Dachten sie es wären deutsche Soldaten? Die Fragen bleiben unbeantwortet. Der zweite Weltkrieg dauert nur noch ein paar Tage. Amerikanische Truppen sind schon im Ruhrgebiet, stehen am Rhein-Herne-Kanal.

Die Zwangsarbeiter müssen in Begleitung von bewaffneten deutschen Soldaten, Hitlerjungen und Volkssturmmännern von Mülheim nach Essen-Werden gehen. Der Treck befindet sich auf dem Schuirweg. Die Straße schlängelt sich durch Wiesen und Felder. Plötzlich greifen Tiefflieger die Marschkolonne an und schießen drauflos.  Die Männer, Frauen und Bewacher springen in die Gräben neben der Straße.  Viele werden allerdings getroffen, schwerverletzt, etwa 40 der ausländischen Zwangsarbeiter sterben. Die Zahl der Getöteten schwankt.

Gedenken und Kranzniederlegung am 9. April 2025

 Heinz Feldmann, damals 14 Jahre alt, hat den Angriff miterlebt. Er wohnt im Haus direkt am Schuirweg. Sein Vater ist Landwirt und betreibt einen großen Bauernhof. Der 94-Jährige heute: „Überall lagen Verwundete und Leichen. Auch Kinderwagen habe ich gesehen.“ 

Unter den Toten ist Kaziemierz Soporowski (30) aus Warschau.  Er hat einen Bauchschuss abbekommen und stirbt wahrscheinlich noch am Straßenrand. Die Toten werden zunächst notdürftig vor Ort begraben und 19 von ihnen später auf dem Südwest-Friedhof alle ohne Namen beigesetzt. 

Bogdan Soporowski (links) mit Heinz Feldmann

Unter den Überlebenden des Angriffs sind auch der Bruder und Schwiegervater von Kasimir Soprowski. Erst viele Jahre später erzählen sie von der Tragödie. Bogdan, am Todestag des Vaters noch kein Jahr alt, versucht den Sterbeort und die Grabstelle seines Vaters in Essen zu finden. 2006 gelingt es ihm mit Hilfe des Essener Historikers Ernst Fritz. Kasimir Soprowski ist der Einzige der namentlich identifiziert werden konnte.

 

Ein Gedenkstein mit Inschrift erzählt seit 2007 die Geschichte der Tragödie vom Schuirweg. Jedes Jahr besucht Bogdan den Sterbeort seines Vaters, den er nie kennenlernen durfte, und die Grabstelle auf dem Südwest-Friedhof. Gestern war ein besonderer Tag. Die Besuchergruppe ist an dem 80. Jahrestag größer. Unter den Teilnehmern ist der ehemalige Bezirksbürgermeister Hanslothar Kranz, Heinz Feldmann, der polnische Generalkonsul sowie weitere Besucher. Auch der Sohn von Bogdan ist dabei. An der Stelle, an der sein Opa 1945 starb. Die anderen Toten bleiben unbekannt. (uk)


 Qellen: https://geschichte.essen.de/historischesportal_namen/friedhof/friedhofsfuehrer/friedhofsfuehrer_detailseite_876971.de.html

 





Montag, 7. April 2025

Kurz vor Kriegsende drei junge Soldaten hingerichtet

Vor 80 Jahren

Essen-Fischlaken: Aus meinem Fenster könnte ich direkt auf den Tatort schauen. Die Sicht wird jedoch von Bäumen und Sträuchern, einem kleinen Wäldchen, beeinträchtigt. Vor 80 Jahren wurden hier drei junge Soldaten kurz vor Kriegsende getötet. 

                            Hans van der Mee (22), Helmut Hawes (18) und Johann Hansjosten (18)

Standrechtlich erschossen, wie man zu dieser Zeit sagte. Im Angesicht des bevorstehenden Todes riefen sie nach ihren Müttern. Die Drei liegen heute in Kriegsgräbern auf dem Bergfriedhof. Eine Gedenktafel erzählt ihr Schicksal.

Ein 12-jähriges Mädchen aus Essen-Kray hat die Gräueltat miterlebt, berichtet Dr. Ernst Schmidt in seinem Buch „Lichter der Finsternis“. Ruth Peters hatte 1985 den Vortrag des Stadthistorikers in der alten jüdischen Synagoge1985 angehört und sich als Zeitzeugin zur Verfügung gestellt.

Hier ein Auszug: „Die letzten Wochen des Zweiten Weltkriegs Klassiker erlebte ich mit meiner Mutter in der Masstraße (heute Kückelmanns Busch) in Fischlaken. […] …in diesem Augenblick vernahm ich zwei jämmerliche Schreie: „Mama, Mama! Und „Mutter, Mutter“.  […] …sah ich auf der Wiese einige Soldaten zusammenstehen. […] und erkannte in der Mitte des Kreises drei Soldaten, an Holzpfähle gebunden. Mir wurde augenblicklich klar, was hier geschehen sollte. Wütend rief ich, so laut ich konnte: „Schweine! Schweine! Schweine!“ Dann drehte ich mich um, rannte zu meinem Baum und kletterte hinauf. (Anmerkung: Ruth hielt sich dort vor den Soldaten, die ihr folgten, versteckt.) Die Gewehrschüsse, mit denen man die drei jungen Soldaten tötete, habe ich gehört. […] An den Holzpfählen waren noch Kugeleinschläge sichtbar. […] Den 7. April werde ich in meinem Leben nicht vergessen.“

2025 - Der Tat- und Hinrichtungsort mit Blick auf die Maasstraße

 
Die drei jungen Soldaten hatten Heimaturlaub in Essen-Altendorf und kehrten nach Ablauf nicht zu ihrer Einheit zurück. Die alliierten Streitkräfte standen schon am Rhein-Herne-Kanal. Der NSDAP-Gauleiter und ehemalige Polizeipräsident Fritz Schleßmann hatte die Räumung von Essen angeordnet. Amerikanische Tiefflieger flogen über das Stadtgebiet. Ein Nachbar verriet die Jungs.  Mit Hilfe der Polizei und zwei Angehörigen des so genannten Volksturms wurden Hans, Helmut und Johann festgenommen und nach Fischlaken transportiert. Der Vorwurf: Fahnenflucht. Das Urteil: Tod durch Erschießen.  

Gedenktafel auf dem Bergfriedhof in E-Fischlaken

 

Sonntag, 6. April 2025

Wir sind blutrünstig und Owi lacht

 Vor 50 Jahren. Für die Polizei ist es das Jahrzehnt von „Meyer, Stiefel, Jacoby“. Die drei Verkehrswissenschaftler stellen die These auf: Einem Verkehrsunfall muss eine Vielzahl von folgenlosen Sanktionen entgegenstehen. Nur so können die Unfallzahlen gesenkt werden. Die Politik musste handeln. Es gab nämlich zu dieser Zeit bis zu 21.000 (!) Verkehrstote und Zehntausende Verletzte in einem Jahr in Deutschland. Die Bevölkerung einer Kleinstadt starb auf den Straßen.

Für uns junge Polizisten hieß das in den 1970er.Jahren: Tät, Tät, Tät. Anzeigen, Anzeigen, Anzeigen. Unser damaliger Wach- und Einsatzführer entließ uns in den Nachtdienst mit den Worten: „Wir sind wieder blutrünstig.“ Im Früh- und Spätdienst lautete die Parole: „Owi lacht", pro Beamter mindestens eine Anzeige aus dem Bereich der Hauptunfallursachen (Geschwindigkeit, Rotlicht, Überholverbot etc.) Einsatztrupps "Verkehr" (ET/V) gab es auf jeder Hauptwache. Und manch ein Kollege sah dann schon einmal Rot, obwohl die Ampel noch Gelb zeigte. Die Autofahrer wurden gejagt. 


 Und wer viel an Blut und Owis heranschaffte, der wurde auch schon mal eher befördert. Denn die Vorgesetzten bis hin zum Innenministerium achteten auf die Zahlen. Es gab den so genannten „Schimpferlass“. Die Behörde, die in der Tabelle unten stand, erhielt einen Rüffel aus Düsseldorf. Das war keine gute Zeit – für Autofahrer und Polizei.

Und heute. Die Autos sind sicherer geworden (Rückhaltesysteme, Airbags etc.), das Rettungssystem ist besser, ebenso die ärztliche Kunst etc. Und die Verkehrsdichte nahm immens zu. Im Stau passieren keine Verkehrsunfälle.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) verknüpfte die enorme und oftmals übertriebene Verkehrsüberwachung und den Leistungsdruck mit Beförderungen der Polizisten, wie der Artikel in der NRZ vom 5.4.1975 beweist. Und da war etwas dran.




 

Mittwoch, 2. April 2025

„MEIN BRUDER IM GEISTE“

 RTL-Doku über eine tragische Krankengeschichte über Vater, Sohn und Tochter

Damian, Sohn des RTL-Reporters Burkhard Kress (67), starb im Alter von nur 30 Jahren an Magenkrebs. Eine selten, genetisch bedingte Anlage in der Familie. Bevor die Krankheit diagnostiziert wurde, gab es viele ärztliche Fehldiagnosen für Damian. Wer vermutet auch schon bei einem 30-Jährigen diese schlimme Krankheit?

Noch in der Trauerphase bekam auch Vater Burkhard und ebenfalls seine Tochter die gleiche Diagnose. Magenkrebs. Der RTL-Reporter ließ sich von dem renommierten Arzt Prof. Dr. Martin Walz von den Kliniken Essen Mitte (KEM) im Huyssenstift den Magen entfernen. Die vierstündige Operation vor einem Jahr verlief erfolgreich. Aber vor dem komplizierten Eingriff konnte der Journalist den Chirurgen von einer filmischen Begleitung überreden. Der 67-Jährige:“ Als Journalist habe ich viele Reportagen über andere Menschen gemacht, jetzt wollte ich meine Familiengeschichte erzählen.“ Nach ersten Bedenken stimmte Prof. Walz zu und ist mittlerweile von dem Ergebnis begeistert. „Der Film müsste den Grimme-Preis bekommen.“ Die vier Jahre ältere Schwester von Damian lebt mittlerweile ebenfalls ohne Magen.

 

Heute erzählten Burkhard Kress (rechts im Bild) und Prof. Dr. Martin Walz ihre Geschichte auf einer Patientenveranstaltung im Hotel Franz.

P.S. Meine Frau und ich waren Zuhörer. Denn auch mir entfernte Prof. Walz vor viereinhalb Jahren den Magen. Ich fühlte mich heute beim Vortrag so ein wenig wie ein Bruder im Geiste mit Burkhard Kress. Und die gleichen Gedanken wie er nach der Diagnose „totale Magenresektion“ hatte ich auch: Wie? Man kann ohne dem Organ weiterleben? Die Antwort: Ja, sogar mit kleineren Einschränkungen sehr gut. Wir Magenlose können (fast) alles essen und trinken. Eben in kleineren Mengen pro Mahlzeit. Und sehen wir es mal positiv. Nach enormer Gewichtsabnahme im ersten Jahr habe ich nach und nach mein Idealgewicht erreicht.

Hier die bewegende Dokumentation: https://www.youtube.com/watch?v=GcUfvQYDdEc