Mittwoch, 20. Dezember 2017

Alltagsheld




Er ist für sein Unternehmen ein Sympathieträger. Und er trägt noch mehr. Nämlich Pakete und Päckchen, tagein, tagaus, treppauf, treppab. Marcel Klein ist der Paketbote der DHL in meinem Stadtteil. Trotz des anstrengenden nicht gerade gut bezahlten Jobs, ist der junge Mann immer freundlich. Selbst wenn er mit dem Paket unter dem Arm oder auf der Schulter die Stufen des Treppenhauses hoch sprintet,  gibt es kein mürrisches Verschnaufen, sondern immer zunächst ein nettes Hallo. Und wenn mal niemand zu Hause ist, erreicht fast jedes Paket den Empfänger. Wenn nicht direkt, dann auf Umwegen. Marcel Klein hat meist einen Joker im Ärmel bzw. netten Nachbarn auf dem Zettel, der das Päckchen entgegennimmt. Vor zwei Jahren hatten wir schon einmal im Viertel so einen pfiffigen Paketboten, der dann leider versetzt wurde. Hoffen wir, dass uns Marcel Klein noch lange erhalten bleibt. Vielen Dank für deinen tollen Job. Du bist einer meiner Helden im täglichen Alltag.




 So kennen wir unseren Marcek Klein, immer ein Lächeln drauf


Foto © Uwe Klein

Samstag, 25. November 2017

Das Derby und der Familienfrieden





Der fußballerische Frieden in der Familie aus Meerbusch war heute nach der ersten Halbzeit im Revierderby sicherlich in Gefahr. Das Herz des einen Sohns schlägt nämlich für Schalke, das des größeren Bruders für Dortmund. Es stand sage und schreibe 4:0 für Dortmund. Die Mannschaft hatte sich in der ersten Halbzeit in einen Rausch gespielt. Jeder Schuss ein Treffer. Dann die Wende im  zweiten Spielabschnitt. Schalke schaffte doch tatsächlich noch den Ausgleich. Familienfrieden wieder hergestellt.   
Das Derby war nichts für schwache Nerven und das beste, das ich je gesehen habe. So haben es sicherlich auch Jan und Jonas erlebt. Die beiden Jungs und ihre Mutter traf ich im Sommer beim öffentlichen Training „auf Schalke“. Schulferien. Sie trugen jeweils ihre Liebfarben, blau-weiß und gelb-schwarz.  Anschließend fuhr die Familie zum BvB-Übungsplatz in Richtung Dortmund. Abends erhielt ich folgende Nachricht: „Übrigens....die Jungs in Dortmund (Anm.: gemeint waren die Fußballprofis) waren nicht ansatzweise so nett... es gab kaum Autogramme, dafür einen gigantischen Zuschaueransturm...“ Passt zum heutigen Derby. Gefühlter Sieger: Schalke. 



 Geht doch auch friedlich - das Brüderpaar in ihren Lieblingsfarben

 Autogramm von Amine Harit





Montag, 20. November 2017

Frida und Lina

Immer wenn ich an der Frida-Levy-Gesamtschule in der Essener Innenstadt vorbei gehe, erinnert mich das große Wandbild der Namensgeberin der Bildungseinrichtung an meine Oma Lina. Vielleicht sahen Frauen dieser Generation so aus. Die Haare grau, manchmal nach hinten oder zu einem Dutt gebunden, ein bisschen streng. Frida Levy, Geburtsjahrgang 1881 – meine Oma 1897. Die Lebensläufe verliefen allerdings unterschiedlich. Oma Lina starb 1987 als Protestantin nach einem erfüllten Leben im hohen Alter, Frida wurde von den Nazis ermordet. Und nur, weil sie eine andere Religion hatte. Beide Frauen glaubten an den selben Gott.
Am vergangenen Freitag erzählte der Autor Ludger Hülskemper-Niemann die Geschichte der Essener Familie Levy in der alten jüdischen Synagoge. Frida Levy engagierte sich vor dem Ersten Weltkrieg intensiv in der Frauenbewegung. Auch später war sie politisch aktiv und  kämpfte u. a. für das Frauenstimmrecht. Ihr Ehemann Fritz, der als Rechtsanwalt in Essen wirkte, wurde schon in der Weimarer Zeit von konservativen Kräften angefeindet. Er starb 1936. Die vier Kinder des Ehepaars überlebten den Holocaust durch Flucht nach Schweden und Palästina. Frida blieb in Deutschland, weil sie sich um ihren inhaftierten Schwiegersohn sorgte und kümmerte. Sie starb 1942 bei oder nach ihrer Deportation nach Riga mit vielen deutschen Landsleuten.
Die sehr gut besuchte Veranstaltung im Rahmen der 150 Jahrfeier der Essener SPD  in der „alten“ jüdischen Synagoge war Mahnung und zeigt uns, wozu Menschen in ihrer Verblendung und ihres Hasses fähig sind – bis hin zum Massenmord.

Fotos/ Reproduktionen © Uwe Klein







Freitag, 3. November 2017

Gänse



Diese abgebildeten Gänse aus meinem Essener Stadtteil Fischlaken haben ein gutes Leben. Allerdings nur bis in diese Tage hinein. Bald sind sie verschwunden. Vielen dieser beeindruckenden Tiere geht es allerdings nicht so formidabel. Sie kommen aus Mastanlagen, meist aus osteuropäischen Ländern, wo Tierquälerei an der Tagesordnung ist. Dort werden sie  "gestopft" und lebend gerupft. Beide Praktiken sind absolut grausam und schreckliche Tierquälerei.
Wenn Sie auf Ihre "Martinsgans" oder ein Stück Gänsebrust nicht verzichten wollen, dann überlegen Sie bitte wo sie Ihr Festessen kaufen. Oder verzichten Sie doch einfach ganz darauf!
  






© uk-Fotos

Mittwoch, 1. November 2017

Allerheiligen bei Gustav Heinemann und Bubu…



An Allerheiligen besuchen Angehörige die Gräber ihrer Verstorbenen und beten für sie, die Anlagen werden geschmückt und so genannte "Seelenlichter" angezündet. Wir waren heute auf dem Parkfriedhof. Er ist der größte in Essen im Stadtteil Huttrop. 1925 wurden die ersten Toten hier beigesetzt. Hier liegen einige Größen der Stadt, u. a. der ehemalige Essener Oberbürgermeister und Bundespräsident Gustav Heinemann mit seiner Frau Hilda in einem Ehrengrab sowie die Essener Rotlichtgröße „Bubu“. Gab es 1974 für Gustav Heinemann ein Staatsbegräbnis, an dem ich als junger Schutzmann teilnahm, ließen es die Trauernden von „Bubu“ 2006 ebenfalls kräftig krachen. Auch hier war die Polizei (versteckt) dabei. Obwohl so traurig waren die Freundinnen und Freunde von Rolf Werker, so sein bürgerlicher Name, gar nicht. Auf dem Friedhof wurde musiziert, getanzt, leere Champagnergläser landeten in der Grube. In seiner Todesanzeige hieß es: „Mein Leben war wie ein Theaterstück: Irre, bunt und immer verrückt. Wie lang es war, ist egal, denn es war einfach wunderbar!“ Heute war es ruhig und besinnlich, eben Allerheiligen.

 

 Eindrucksvoll - der Eingang des Parkfriedhofs


 Seelenlicht auf einem Grab



 Witwen



Bubus Grab

 Abgelaufen 

 Keiner mehr da

 Das Ehrengrab von Gustav Heinmann
 
 ...

Freitag, 27. Oktober 2017

Filmtipp "Die Unsichtbaren - Wir wollen leben"



7000 Deutsche jüdischen Glaubens haben sich ab 1943 bis zum Ende des 2. Weltkriegs in der Berlin versteckt, um der Deportation und somit dem sicheren Tod in den Konzentrationslagern zu entgehen. Sie tauchten in der Hauptstadt unter. Einige tarnten sich als Kriegerwitwen, färbten sich blond oder besorgten sich falsche Ausweise. 1500 überlebten so das mörderische Nazi-System.

Vier von ihnen erzählen in dem Doku-Drama „Die Unsichtbaren“ ihre Geschichte.

Am Dienstag war in der Lichtburg die NRW-Premiere, seit gestern ist der Film in den Kinos (Essen, Eulenspiegel 15.15 Uhr und 20.15 Uhr). Der Regisseur Claus Räfle hat rund 10 Jahre an dem Werk gearbeitet und ab 2009 die Zeitzeugen interviewt. Leider sind zwei von ihnen mittlerweile verstorben. Ebenso wie einer der Schauspieler in seiner letzten Rolle, Andreas Schmidt (53).

Der Film ist absolut empfehlenswert und müsste Bestandteil in jedem Geschichtsunterricht sein.  

P.S. Wir waren am Mittwoch bei der Premiere dabei. Vielen Dank an den Fotografen der Lichtburg, Armin Thiemer, der uns mit einer der Hauptdarstellerinnen, Ruby O. Fee, ablichtete. 

Hauptdarstellerinnen - meine Frau  Sabine (links) und Ruby O. Fee
Foto: Armin Thiemer 

 Blitzlichtgewitter im Foyer vor der Filmvorführung
uk-Foto

 
In seiner letzten Rolle - Andreas Schmidt starb im September im Alter von nur 53 Jahren
(Foto: wikipedia)


 

Mittwoch, 18. Oktober 2017

Strafgefangener und Hipster


„Auf Schalke“ ist immer etwas los. Selbst beim Training. Aber das wirklich Interessante spielt sich für mich nicht auf dem Trainingsplatz ab, sondern eher hinter der Bande. Den Zuschauern gehört meine Aufmerksamkeit. Natürlich wird über Fußball schwadroniert, aber auch über alles andere dieser Welt. Kaum ein Thema wird ausgelassen, während die Spieler auf dem Rasen ihre Runden mit oder ohne Ball drehen. Über die Analyse der Bundestagswahl habe ich ja kürzlich berichtet. Oder über Oma Margret mit ihren blau-weißen Krücken, die keine Übungseinheit ihrer Jungs auslässt und schon mal einen Kuchen für sie backt. Beim jetzigen öffentlichen Training war noch mal der neue Kurzhaarschnitt von Max Meyer das Thema. „Der sieht ja aus wie ein russischer Strafgefangener.“ Wieder von einem Rentner kurz und knapp auf den Punkt gebracht. Gut, politisch geht es nicht immer korrekt zu, dafür aber ehrlich. Apropos Haare. Da habe ich einen jüngeren Fan kennengelernt, der eher wie ein kanadischer Holzfäller ausschaut.  Bei ihm wachsen die Haare nach unten. Zwei Jahre brauchten sie für dieses Hipster-Exemplar. Von Bartträger zu Bartträger: Sieht gut aus - mir gefällt er.  

 Max Meyer mit neuem Kurzhaarschnitt im Vordergrund

Fan mit Hipster-Bart 

© uk-Fotos