Montag, 19. Juni 2017

Zu wenig , Martin…




Heute hat der SPD-Vorsitzende Martin Schulz zum Thema „Gerechtigkeit“ das Steuerkonzept vorgestellt. Die Besserverdienenden zahlen ein paar Prozent Steuern mehr. Weil „der kleine Mann“ kaum oder gar nicht von Steuerentlastungen profitiert, verspricht ihnen die SPD Erleichterungen bei den Sozialbeiträgen. Der Solidaritätszuschlag soll ab 2020 für untere und mittlere Einkommen entfallen. "Sehr große Erbschaften" will die SPD künftig höher besteuern. An die Vermögenssteuer wagen sich die Sozis nicht ran. Warum eigentlich nicht? Kita-Beiträge entfallen. Warum eigentlich für alle? Auch für Reiche?

Diese Konzept ist mir zu wenig sozialdemokratische Gerechtigkeit. Gerechtigkeit-Light! Ich vermute, dass diese Ideen zu wenig sind. So klappt es nicht mit der Kanzlerschaft. 

 (c) Foto: Wikimedia



Samstag, 3. Juni 2017

Angst essen Seele auf..


Rock am Ring wurde gestern aufgrund einer Terrorwarnung abgebrochen. Berechtigt? Waren 86.000 Besucher tatsächlich gefährdet?
Schon wenn wir das Licht der Welt erblicken, beginnt die Gefahr, die Angst und das Lebensrisiko. Später wird es noch schlimmer. Treten wir auch nur einen Fuß vor die Tür, können wir Opfer eines Unfalls werden. Rund 4000 Menschen sterben auf Deutschlands Straßen, früher war es einmal umgerechnet die Größe einer eine Kleinstadt, die ausgelöscht wurde. Angst? Nein, wir setzen uns seelenruhig ans Steuer. Selbst wenn wir uns an einen sicheren Ort begeben, kann Schlimmes passieren. Experten schätzen mehr Tote durch Keime in Krankenhäusern als durch Krebs, bis zu 90.000 (!). Angst? Nein, wir hoffen, gesund wieder heim gehen zu können.
Seit Jahrzehnten werden wir von Terroristen durch die schrecklichen Anschläge weltweit in Angst versetzt. Das Ziel der Extremisten: Angst und Schrecken erzeugen, die staatlichen Organisationen zu Überreaktionen verleiten. Betroffenen von den Maßnahmen sind eher unbescholtene Bürger. Die Folge der Loveparadekatastrophe in Duisburg brachte den gleichen politischen Effekt. Die teilweise überzogenen Sicherheitsauflagen der Behörden sind finanziell von den Organisationen nicht zu stemmen. Veranstaltungen werden abgesagt. Berechtigt?
Wir verlieren das Augenmaß, eine gewisse Gelassenheit. Und eine angemessene Risikoeinschätzung. Das Geschäft der Sicherheitsfirmen boomt und deren Ausführende übertreiben häufig. Da wird die Oma beim Weihnachtssingen auf Schalke gefilzt, Kinder müssen ihre leeren Rucksäcke abgeben. Wieder trifft es die Falschen. Und die Ultras bringen nach wie vor Pyros in die Stadien. Die Verantwortlichen kontern mit dem Totschlagsargument: „Aber wenn etwas passiert.“ Ja, es kann immer etwas Schlimmes geschehen.
Jetzt in Rheinland-Pfalz lobt der Innenminister das Handeln der Polizei und unterstreicht die Richtigkeit des Abbruchs. Hat er recht? Heute geht „Rock am Ring“ weiter.
Die Angst bleibt. Eben, sie isst unsere Seele auf.



Loveparade 2007 in Essen - da konnten Tausende noch friedlich feiern - 5 Jahre später die Katastrophe in Duisburg durch oranisatorische Fehler

© uk-Foto

Dienstag, 30. Mai 2017

Trauer (-schwan)



Er kommt eigentlich vom am anderen Ende der Welt. Aus Australien oder Neuseeland. Der Trauerschwan. Seit ein paar Jahren brüten die schwarzen Schwäne auch am Baldeneysee. Spielt sich dort gerade ein Drama ab? Am ehemaligen Wasserschloss „Haus Scheppen“ haben schon einige dieser exotischen Schwäne das Licht von Essen erblickt. Immer im selben Nest. Dort liegen jetzt wieder zwei große Eier. Vor ein paar Tagen schwamm ein einzelner Schwan ans Gelege. Er (oder sie) brauchte eine ganze Weile darauf zu klettern, versuchte sich für einen kurzen Moment im Brutverhalten, plusterte sich dann aber auf, „trompetete“ und verschwand wieder. Heute liegen die Eier verwaist im Gelege, ein Blässhuhnküken wuselte drum herum. Ein Trauerspiel.



© uk-Foto






Sonntag, 28. Mai 2017

Freundin und Helferin

Manchmal sind es die kleinen Momente, die den Alltag ein bisschen schöner machen. So passiert in der Essener Innenstadt. Ein Polizeiauto rollt langsam die Einkaufsstraße hinunter. Zwei Polizistinnen der Inspektion 1 (Mitte) auf Streife. Ein kleiner Junge trippelt auf den Wagen zu, der Papa will ihn zurückhalten. Schon durch das geschlossene Fenster winkt die Fahrerin dem Kleinen zu. Sie hält an und fragt: “Na, möchtest Du mal gucken.“ Der Junge geht zu der Polizistin, die kleine Schwester und Papa folgen. Er wirft einen Blick ins Innere und lauscht dem Funk. Einige Passanten bleiben stehen und beobachten die Szenerie mit einem Lächeln. So schnell kann man (in diesem Fall frau) Freunde gewinnen.
Gut gemacht, Frau Kollegin.

 
© uk-Fotos


Montag, 22. Mai 2017

Schalker - Treue bis in den Tod

Vor dem Jubiläumsspiel „20. Jahre Eurofighter“ und dem Abschied von dem Jahrhunderttrainer Huub Stevens wollten meine Frau und ich nur noch mal kurz einen Blick auf den „Schalker Friedhof“ werfen. Das Feld war menschenleer, bis auf eine Frau. Sie saß an einem blau-weißen Urnengrab und erzählte uns später die Geschichte ihres verstorbenen Mannes Karl Otto Maylahn (59), einem Schalke Fan durch und durch. Eine traurig-schöne Einstimmung auf das, was uns später in der Schalker Arena erwartete.

Jeden Sonntag am Grab ihres Mannes

Einmal Schalker, immer Schalker. Treu bis in den Tod. Fußballverrückt? Einfach so daher gesagt? Für „Kalle“ Maylahn nicht. Als abzusehen war, dass er sterben würde, hatte er einen letzten Wunsch. Er wollte auf dem Schalker Friedhof beerdigt werden. Seit 2012 ist das nämlich möglich, ganz in der Nähe der Veltins Arena auf dem Friedhof im Gelsenkirchener Stadtteil Beckhausen-Sutum gibt es das Schalke-Feld, etwa 15 Gehminuten vom Stadion entfernt. Vor einem Jahr wurde Karl Otto Maylahn hier beigesetzt. Der 59-Jährige stammte noch nicht einmal aus der Region. Mit seiner Frau lebte er in der Nähe von Köln. Aber Schalke-Fan war er durch und durch. Fast standesgemäß liegt er nun in der ersten Reihe auf Platz 22. Auf dieser Platznummer saß der Dauerkarteninhaber auch immer bei den Spielen seiner Knappen im Stadion. Und jeden Sonntag reist seine Ehefrau aus dem Rheinland an, sitzt am Grab ihres Mannes und denkt an die gemeinsamen Jahre. Auch sie möchte einmal hier ihre letzte Ruhestätte finden, neben ihrem „Kalle“ direkt am Spielfeldrand.  

Karl Otto Maylan, Platz 22 in der erster Reihe

Einem Spielfeld nachempfunden

Das Grabfeld im Schatten der Arena


Ganz in der Nähe, die Veltins Arena
 alle Fotos © Uwe Klein

Mittwoch, 17. Mai 2017

Tag gegen Homophobie


Solange „schwul“ als Schimpfwort benutzt wird, solange „schwul“ im abwertenden Zusammenhang in der Jugendsprache altersgebräuchlich ist, hat der heutige Tag seine Berechtigung. Der Tag gegen Homophobie.
Mein Vater, Polizist in Gelsenkirchen in den 1950er-Jahren, hat Männer mit anderer sexueller Orientierung eingesperrt. Es existierte der Paragraph 175 des Strafgesetzbuches: „Unzucht zwischen Männern wird mit Gefängnis bestraft.“ Gustav Heinemann (SPD-Justizminister und späterer Bundespräsident) entschärfte den Tatbestand in den 1970er-Jahren. In dieser Zeit war ich junger Polizist. Und als mein Sohn in den 1990er-Jahren den „grünen Rock“ anzog, war der Tatbestand verschwunden. Gesellschaftlicher Wandel in nur drei Polizeigenerationen.
In vielen Ländern werden jedoch Männer und Frauen immer noch geächtet. Und bei deren Verfolgung ist die Polizei wieder der Büttel des Staates. Und in Deutschland?
Ich kenne einen jungen homosexuellen Polizeikollegen mit Migrantenhintergrund, der mir vor ein paar Jahren sagte: “Ich trage zwei Lasten auf meinen Schultern. Meine Eltern dürfen nichts von meiner Lebenspartnerschaft mit einem Mann wissen." Auch bei uns ist wieder eine Ablehnung spürbar, stellen Schwulen- und Lesbenverbände fest. Der Gedenktag hat nach wie vor seine Berechtigung. 



Cover des Buches „Schwule, Lesben, Polizei“, das ich zurzeit lese

Montag, 8. Mai 2017

Filmkritik - Polizei Notruf 110


Gestern lief einer der besten Filme (Polizei Notruf 110: Nachts auf Station) mit dem wunderbaren Matthias Brandt als Ermittler in der Hauptrolle. Besonders das Spiel der alten Akteure hatte es in sich. Ernst Jacobi, weit über 80 Jahre alt, spielte den ins Altenheim abgeschobenen SEK-Mann. Ihn kannte man noch aus den 70er- und 80er-Jahren. Großartig.
Da stimmt alles. Drehbuch, Regie, Kamera und Musik. Der Film bekommt schon mal von mir vorab den Deutschen Filmpreis in allen Kategorien.
Als Fazit mit einem Augenzwickern: Lasse nie einen gesellschaftskritischen ehemaligen SEK-Mann allein mit einer Sportpistole im Pflegeheim. Es könnte zum Disaster kommen.
 


http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/der-polizeiruf-110-nachtdienst-aus-muenchen-15001774.html